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Insolvenzrecht A bis Z
Solarbrache wankt: Q-Cells, First Solar, Solon, Solarhybrid in Insolvenz
Das fünfte grosse Unternehmen der deutschen Solarbranche geriet in die Insolvenz

  • Solarhybrid
  • Solar Millennium
  • Solon 
  • Q-Cells
  • First Solar

06.08.2014 Solarbrache weiter in der Krise
Information Der Solarmodulhersteller Solarworld hat laut Pressebericht  der Sächsischen Zeitung vom 19. August 2014 wegen des starken Rückgangs der Nachfrage und des Preises auf den Solarmärkten sein Umsatzziel von 680 Millionen Euro verfehlt. Das Ergebnis liegt bisher mit 20 Millionen im Minus.

1. Der Solar-Exkurs kostete deutsche Unternehmen Milliarden.
Viele Unternehmen wollten in Sachen Solar investieren.
Der Einstieg von Bosch in die Solarbrache im Jahr 2008 kostete Bosch per heute 3,7 Milliarden Euro, vgl. Frankurter Allgemeine Zeitung vom 23.01.2014 S.16.
Die billigere Konkurrenz aus den asiatischen Ländern und Managementfehler machte das Geschäft unrentabel. Es entstanden erhebliche Verluste und teilweise erhebliche Abwicklungskosten durch die Abgabe der Solarsparte und den sozialverträglichen Abbau von Arbeitsverhältnissen.

2. Solarunternehmen in der Krise
In Deutschland brach der  Photovoltaikmarkt ein wegen einem Überangebot von Produzenten.
Ein Solarunternehmen nach dem anderen geriet auf Grund des Preisverfalls, sinkender stattlicher Förderung, Überkapazitäten und der Konkurrenz aus Asien in die Krise oder Insolvenz. Betroffene Solarunternehmen: 
  • Solarhybrid
  • Schüco TF GmbH, Großröhrsdorf
    Der Bielefelder Schüco-Konzern hat in seinem Großröhrsdorfer Solarwerk mit 140 Mitarbeitern Solarmodule auf Dünnschichtbasis produziert. Den Standort hatte Schüco nach der Insolvenz des Vorgängers Sunfilm übernommen. Das Werk schloss wegen sinkenden Preisen.
  • Solar Millennium
  • Solon aus Berlin
  • Q-Cells
    Standort: Sachsen- Anhalt (Solar Valley) 2.200 Arbeitnehmer
    Zuständiges Gericht: AG Dessau
    Mitarbeiter: weltweit: 2.200, davon 1300  am Stammsitz
    Umsatz: 1 Milliarde
    Verlust: 846 Millionen
    Insolvenzantrag: 03. April 2012
    Verwalter der Q-Cells: RA Henning Schorisch von HWW
  • First Solar
    Sitz: Frankfurt an der Oder
    Mitarbeiter: 1.200 Mitarbeitern
    Verwalter der First-Solar. RA Wienberg von HWW
  • Soltecture GmbH
    Hersteller von Dünnschichtsolarmodulen
    Insolvenzanmeldung: Mai 2012
    zuständiges Gericht:  AG Charlottenburg insolvenz
    Verwalter: Hartwig Alber.
  • son energy AG
    Insolvenzanmeldung: Im Mai 2012
    Zuständiges Gericht: AG Neiubrandenburg 
    Verwalter: Karsten Förster von Wutzke Förster
  • Sovello
    1.250 Mitarbeiter
    200 Millionen Umsatz
    Insolvenzanmeldung: Mai 2012
    Zuständiges Gericht: AG Dessa-Roßlau Insolvenz 
  • Solarworld AG
    Hauptsitz: Freiberg
    Mitarbeiter: 3.300, davon 1.800 in Freiberg
    Investitionssumme: 1 Milliarde Euro
    Sanierungsmaßnahmen: Abbau von Stellen; Schuldenschnitt und Einstieg eines Investors
  • Solarwatt AG Dresden (Tochterunternehmen Sunstrom)
    450 Mitarbeiter
    Geschäftsführer neu: Detlef Neuhaus
    Beschäftsführer alt: Frank Schneider
    Umsatz: 190 Millionen 
    Insolvenzanmeldung: Juni 2012
    Insolvenzgrund: Streit der Anteilseigner, vgl SZ vom 1.08.2012 S. 20
    Zuständiges Insolvenzgericht: AG Dresden
    Schutzschirmverfahren und Antrag auf Eigenverwaltung
    Sachwalter (Kontrolleur): Rainer Bär (Verwalter von Sunfilm aus Großröhrsdorf)
    Sanierungskonzept: WP Andreas Ziegenhagen
    Insolvenzplan: wurde am 31.07.2012 beim Insolvenzgericht eingereicht
    Produktion: wurde fortgeführt
  • Sunstrom, Dresden
    Tochter der Solarwatt AG Dresden
    Alter: 12 Jahre
    Umsatz: 25 Millionen
    Firmengegenstand: Handel mit Fotovoltaiktechnik von verschiedenen Firmen
    Insolvenzantrag Juli 2012
    Beschäftigte: 140
    Insolvenzverwalter: Rüdiger Wienberg
  • Centrosolar Group AG
    Die Centrosolar hatte nach gescheiterten Sanierungsmaßnahmen in Form von Kapitalschnitt, Schuldenschnitt und Personalabbau von 250 Stellen das Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet.
    Sitz: München
    Vorstandsvorsitzender: Alexander Kirsch
    Umsatz: 2013 (9 Monate)  85 Millionen Euro, davon im dritten Quartal: 27,5 Millionen Euro (minus 40 %)
    Verlust: 18,2 Millionen Euro 
    Ebitda (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen): ./. 4,4 Millionen 
    Passiva: 100 Millionen Euro
    Aktienkurs: 3,60 Euro (minus 18 %) Stand 19. Oktober 
    Mitarbeiter: 750
3. Gründe der Krise
3.1. Überkapazität
Es gab früher eine hohe Nachfrage nach Solarzellen, die nicht gedeckt werden konnte.
Es schossen weltweit die Solarwerke wie Pilze aus dem Boden- teilweise große Produktionsanlagen. Die weltweite Produktionskapazität beträgt mehr als  25 Gigawatt.
Die Nachfrage liegt derzeit bei unter 15 Gigawatt. Die Folge ist der Preisverfall.
Abhilfe: Nicht Förderung des Strompreises, sondern Förderung von Investitionen in die Solartechnik. Tausende von Firmen könnten durch Solarstrom einen erheblichen Anteill ihres Strombedarf bestreiten.  Nach der Wende gab es das Fördergebietsgesetz zur Förderung des Wohnungsbaus. Jetzt sollte es ähnliche Programme geben zur Umstellung auf die Solar- und Windenergie. Solarunternehmen könnten schon heute alternative Modelle anbieten z.B Energiecontracting.
3.2. Änderung der Förderbedingungen
In Deutschland wurde die Einspeisung gefördert. Dadurch konnten die Produzenten Traumpreise erzielen. Jetzt muss sich die Anlage auch so rechnen. Der Einkaufspreis ist jetzt mehr von Bedeutung. 
Abhilfe: Es muss sich auch ohne die staatliche Einspeiseförderung rechnen- und das tut es. 
Alternative Finanzierungsmodelle sind gefragt.
3.3. Qualitäts- und Wirkungsgradprobleme
First Solar produziert Dünnschicht- Module. Der Wirkungsgrad ist geringer als bei Silizium- Modulen. Die chinesischen Produkte haben teilweise einen besseren Wirkungsgrad und sind billiger. Früher scheuten sich Banken Produkte aus China zu finanzieren. Diese Scheu besteht nicht mehr.
Abhilfe: Qualität, Service und Begeisterung müssen entscheidende Faktor sein.
Auch Porsche, Mercedes oder BMW verkaufen nicht ein Stück Auto. Sie bieten ein Komplettpaket an, das begeistert. Banken sollten bei Produkten, die eine höhere Qualität und Service bieten, bessere Konditionen anbieten. So werden indirekt die Produkte aus Deutschland gefördert.
3.4. Keine Zusammenarbeit
Zwischen den Unternehmen gibt es oft keinen Wissenstransfer oder Erfahrungsaustausch.
Man ist Konkurrent. Jedes deutsche Unternehmen hat seine eigene Entwicklungsabteilung. Jeder entwickelt für sich und gegen sich. Gäbe es in Deutschland 30 KfZ- Hersteller, wäre keiner Konkurrenzfähig mit China ua. Durch die Konzentration gäbe es nach Ansicht vieler eine Konkurrenzfähigkeit. In Deutschland wurde aber nicht die Entwicklung, sondern im Wesentlichen die Energieerzeugung gefördert.
Abhilfe: Die Zusammenarbeit in der Forschung und Entwicklung muss von den Regierungen besser koordiniert und gefördert werden.
3.5. Kein Gesamtkonzept
Die Branche hat kein langfristiges Konzept um international konkurrenzfähig zu sein.
Auch die Ipads werden in China produziert. Die Entwicklung und Wertschöpfung verbleibt aber in den USA.
Abhilfe: Die Erhaltung der Solarindustrie ist auch eine politische Aufgabe.
Die Lobby der Solarindustrie  muss sich mehr bemerkbar machen.
3.6. Keine Hochtechnologie
Solarplatten sind einfacher zu produzieren als Maschinen.
Abhilfe:  Warum nicht mehr Hochtechnologie,  Kreativität und Design in der Solarindustrie. Solarprodukte können z.B. auch schön ausschauen.  
3.7. Wettbewerb/ Konkurrenz gegen Länder mit Staatsförderungen
China bestimmt den Preis für Silizium.  China fördert die Entwioklung und den Bau von Solarzellen mit staatlichen Exportsubventionen. Sie können die Preise für ihre Produkte senken.
Die deutsche Konkurrenz kann die Preise nicht einfach senken.
Einige Firmen aus Deutschland ( z.B. Solarworld AG) und aus den USA haben bei der Europäiischen Komission gegen chinesische Exportsubventionen Klage eingereicht.
In den USA hatte das Handelsministerium Antidumpingzölle von mehr als 30 Prozent über imporierte Solarprodukte aus China verhängt.
Abhilfe: Wettbewerbsverzerrungen müssen unterbunden werden.
Dazu benöltigen die Firmen Hilfe von der Regierung.

4. Maßnahmen
innerhalb eines Insolvenzverfahrens
  • Antrag auf Eigenverwaltung
  • Einsetzung eines vorläufigen Gläubigerausschusses
  • Bestimmung eines vorläufigen Sachwalters
  • Fortführung der Produktion
  • Regulierung der  Löhne über die  Insolvenzausfallgeldvorfinanzierung
  • Vorbereitung des Insolvenzplans
  • Suche nach Investoren, Käufern,  Beteiligungen, neue Finanzmitteln (bei Q-cells wurde z.B. mit der weltweiten Suche nach Investoren das Frankfurter Büro der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte beauftragt)
  • Massnahmen zur Restrukturierung
  • Gründung einer Auffanggesellschaft für Mitarbeiter, die gebenenfalls nicht weiterbeschäftigt werden können u.v.m.
5. Beratung, Hilfestellong oder Sachwaltung
Durch den Insolvenzplan können die Sanierungschancen bestmöglich genutzt werden.
Gläubiger können nach Inkrafttreten der Gesetzesreform des Sanierungsrechts ab 01.03.2012 (InsO/ESUG) mehr Einfluss auf die Sanierung nehmen als früher.
Sie müssen Ihre Rechte richtig wahrnehmen oder wahrnehmen lassen.
Wir stehen Ihnen für Fragen im Zusammenhang mit dem Insolvenz- und Sanierungsrecht  gerne zur Verfügung, z.B.
  • Risikomanagement
  • Einführung eines permanenten Liquiditätskontrollsystems
  • Prüfung der (drohenden) Zahlungsunfähigkeit, Überschuldung
  • Insolvenzeinleitung
  • Forderungssicherung- und anmeldung
  • Vertretung von Gläubigern im Gläubigerausschuss oder Gläubigerversammlungen
  • Unterstützung bei der Eigenverwaltung
  • Beschäftigungsgesellschaften
  • Einvernehmliche Personalreduzierung
  • Sachwalter, Insolvenzverwalter
  • Unterstützung der Gechäftsleitung in insolvenzrechtlichen Belangen
  • Erstellung von Insolvenzplänen bzw. Unterstützung bei der Erstellung
  • Forderungseinzug und Forderungskauf
  • Geschäftsführerhaftung: Abwehr von Ansprüchen und Geltendmachung
  • Insolvenzanfechtung
  • Insolvenzstrafrecht
  • Sanierungsmediation
  • Wirtschaftsmediation bei Konflikten z.B.innerbetriebliche im Zusammenhang mit Personalabbau

Hermann Kulzer MBA
Fachanwalt für Insolvenzrecht
Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht
Wirtschaftsmediator (DIU Dresden International University)

pkl Rechtsanwälte Wirtschaftsprüfer Insolvenzverwalter

kulzer@pkl.com
0351 8110233
Fax 0351 8110233

Links: www.pkl.com
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Verfasser: Hermann Kulzer, MBA Fachanwalt für Insolvenzrecht

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