Kliniken in Insolvenzgefahr
1. Zentralkrankenhaus Augsburg vor dem finanziellen Kollaps.
Viele Kliniken befinden sich in der Krise. Bei einer Klinik spitzt sich die Krise zu. Das Zentralklinikum mit universitärer Anbindung wurde in Augsburg 1982 eröffnet. Es ist Bayerns zweitgrößtes Kreiskrankenhaus mit 200.000 Patienten jährlich und zugleich Uniklinik. Es befindet sich in kommunualer Trägerschaft von Stadt und Landkreis Augsburg. Die finanzielle Situation im Dezember 2008 ist völlig angespannt. Das Klinikum hat 56 Millionen Euro Schulden und hat 2008 ein Betriebsdefizit von 17 Millionen Euro erwirtschaftet. Es droht der finanzielle Kollaps (Süddeutsche Zeitung vom 16.12.2008 S.31). Überfällig ist eine Erneuerung der Bausubstanz und der medizinischen Geräte.
2. Insolvenzgefahr für Kliniken
Die wirtschaftliche Lage für etwa jedes dritte Krankenhaus (34 Prozent) in Deutschland wird sich nach einer Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) weiter verschlechtern. Es besteht laut diesem „Krankenhaus Rating Report 2008“ eine erhöhte Insolvenzgefahr. Lücken können bald nur noch durch öffentliche Träger- wie etwa Kommunen- geschlossen werden. Jede zehnte Klinik ist von der Schließung bedroht. Im Jahr 2020 soll sich die Finanznot derart zuspitzen, dass jedes zweite Krankenhaus (49 Prozent) betroffen ist.
3. Finanzierungslücke
Deutschland hat ca. 2100 Kliniken. Diesen droht nach der Studie des RWI in 2008 eine Finanzierungslücke von 1,3 bis 2,2 Milliarden Euro. Gründe sind ·steigende Tariflöhne · höhere Sachkosten (Lebensmittel, Energie ua.) · höherer Personal- und Sachmittelbedarf
4. Betroffene Kliniken und Konsequenzen
Betroffen sind auch kleine Kliniken. Diese haben- anders wie mittlere oder große Kliniken -weniger Einsparpotentiale. Ostdeutsche Kliniken sind aufgrund der umfangreichen Modernisierungen nach der Wende heute oft besser als westdeutsche Kliniken. Öffentlich-rechtliche Häuser sind eher insolvenzgefährdet als freigemeinnützige und private Einrichtungen. Bei unwirtschaftlichen Kliniken drohen erhebliche Einschnitte beim Personal.
5. Qualität, Wirtschaftlichkeit und Chancen
Qualität und Wirtschaftlichkeit stehen nach der Studie im Zusammenhang. Kliniken mit Auffälligkeiten in der Behandlung weisen -nach der Studie- tendenziell ein schlechteres Bilanz-Rating auf. Die Ersteller der Studie wollen daraus ableiten, dass eine höhere Wirtschaftlichkeit nicht auf die Kosten der Qualität gehe, sondern sogar mit einer höheren Qualität der medizinischen Dienstleistung einhergehe. Bei rechtzeitiger Vorsorge und Umstellung besteht die Chance, die Herausforderungen im Gesundheitswesen gut zu bewältigen und rentabel und auf hoher Qualitätsbasis zu arbeiten. Kliniken sind mehr als Kostenträger. Das Gesundheitswesen ist der Wirtschaftszweig, in dem 10 Prozent des Sozialprodukts erwirtschaftet werden und in dem über vier Millionen Menschen beschäftigt sind. Diese Potentiale müssen nur richtig eingesetzt werden.
6. Sonderfall: Reha-Kliniken
Viele Reha-Kliniken werden sich bis 2013 nicht am Markt behaupten können. Knapp ein Viertel der Einrichtungen wird verschwinden. Betroffen ist ein Umsatzvolumen von 1,7 Mrd Euro und rund 44 500 Betten (26%). Sie sind unrentabel, überschuldet, nicht investitions- und zukunftsfähig. Die Marktbereinigung kommt. Es wird eine verstärkte Kettenbildung erfolgen. Im Gegensatz zum Krankenhausbereich wird sich die Marktbereinigung ohne starke politische Einflussnahme vollziehen. Die verbleibenden Einrichtungen werden dadurch ihre Auslastung erhöhen. Ohne Marktbereinigung werden Überkapazitäten prognostiziert. Sichtbar höhere Auslastung der öffentlich-rechtlichen Reha-Kliniken seit 1997 zeigt, dass die Kostenträger dazu tendieren, zunächst ihre eigenen Kliniken auszulasten.
7. Pflegesätze und Gesetzte (Auszug)
a. Fallpauschalengesetz zur Kostenoptimierung Die Krankenhäuser verhandeln über Pflegesätze. Wir unterstützen Sie bei der Umstellung auf die Prozesskostenrechnung nach Diagnosis Related Groups (DRG´s). In Zusammenarbeit mit unserem Kooperationspartnern werden Businesspläne erstellt zur Erhaltung der langfristen Finanzierbarkeit.
b. Wachstums- und Beschäftigungsförderungsgesetz (WFG) Der Verdrängungsprozess läuft. Um als Klinik mittel- und langfristig zu bestehen, müssen die Leistungsangebote auf deren Attraktivität für Privatversicherte, Krankenkassen und Förderer geprüft werden, unter Beachtung der Qualität. Die Überprüfung der Qualität der Leistungen und der Kostenstruktur ist dazu erforderlich.
8. Rechtzeitige Vorsorge
Kliniken, Träger und Förderer sollten nicht warten, bis tatsächlich die Insolvenz droht. Besser ist, Vorsorge zu treffen.
Im Verbund mit unseren Kooperationspartnern unterstützen wir Sie:
· Überprüfung und Verbesserung: Energiemanagement ·
· Optimierung und Absicherung: Fördermittel, Neu- und Umfinanzierungen, Versicherungen, PPP- Projekte ·
· Kostenkontrolle und -reduzierung: Sach- und Verwaltungskosten ·
· Schulung und Verbesserung: Qualitätismanagement und Motivation Mitarbeiter und Führungspersonal ·
· Marketing: im Wandel
· Risikomanagement und Geschäftsführer- und Aufsichtsratsabsicherung.
Die Insolvenz kann auch Chance sein für eine erfolgreiche Sanierung mit Neustart, z.B durch Insolvenzplan.
Für Fragen zum Insolvenzplanverfahren und zur Sanierung stehen wir gerne zur Verfügung.
Hermann Kulzer (pkl) Rechtsanwalt Fachanwalt für Insolvenzrecht Stud. Sozialmanangement
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