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03.04.2017 Wege aus der Krise: Neustart mit Fachmann
Information Die Wege in eine Insolvenz sind vielfältig.
Oft trifft den Unternehmer oder die Unternehmerin oder den Handwerker/Handwerkerin/Ladeninhaber/Ladeninhaberin oder den Selbständigen/die Selbständige nicht die Hauptschuld.

Aber er/sie steht jetzt in Verantwortung und vor allem in voller persönlicher Haftung.

Nach einigen Zeilen erkennen Sie schon, dass der Versuch "Mann und Frau" also Unternehmer und Unternehmerin gleichzeitig anzusprechen sehr mühselig ist.
Bitte entschuldigen Sie daher, dass ich meistens die männliche Version verwende.

Früher bedeutete Konkurs oder Insolvenz die  Haftung bis ans Lebensende, wenn die Gläubiger Urteile hatten und die Forderungen erst nach 30 Jahren verjährten.
Es gab praktisch für Schuldner keine Zukunftsperspektive- es sein denn, sie haben alle Geschäfte über Strohmänner getätigt oder haben sich als Angestellte damit abgefunden, dass ein großer Teil ihres Einkommens jeden Monat gepfändet wird.

Seit 1.3.2002 gibt es die Möglichkeiten einer Schuldenregulierung und einer Restschuldbefreiung durch die Werkzeuge der Insolvenzordnung(Insolvenzrrechtsreform von  1999), die seit ihrem Inkrafttreten mehrfach nachgebessert, ergänzt und verbessert wurde.
Auch aktuell gibt es seitens der Europäischen Union (EU) viele Bestrebungen die Insolvenzordnungen zu vereinheitlichen- vorallem gleich lange Fristen zu regeln für die Dauer der Wohlverhaltensphase:


  • anfänglich waren es 7 Jahre ab Abschluss des Insolvenzverfahrens dann

  • sechs Jahre ab Eröffnung des Insolvenzverfahrens, dann

  • fünf Jahre, wenn man die Verfahrenskosten aufbringen kann und 

  • drei Jahre, wenn man 35 Prozent der Schulden bezahlten kann, und bald

  • drei Jahre generell-also ohne bestimmte Quote, die man bezahlt haben muss, weil die EU keine Einschränkung geregelt haben will.


Für die Wege aus der Krise bedarf es Fachkenntnisse und der Unterstützung durch einen/eine Fachmann/Fachfrau erforderlich: z.B. einen Fachanwalt für Insolvenzrecht.

I. Allgemeines
Jeder Unternehmer oder Geschäftsführer erlebt mal Zeiten, in denen er um die wirtschaftliche Existenz seiner Firma oder von sich selbst bangt.
Man läuft auf einer Klippe und vor einem der Abgrund.
Sie machen sich Sorgen, ob die Aufträge oder die Liquidität reicht, ob der alles entscheidende Rechtsstreit gewonnen wird oder wie lange sie die der Konkurrenz noch Gegenwehr leistent können.
Vor lauter Sorgen kann der Unternehmer nicht mehr schlafen.
Ohne Schlaf verschlechtert sich die Laune und körperliche Belastbarkeit.
Viele Unternehmer nehmen laut einer Studie einer großen deutschen Krankenkasse täglich leistungssteigernde oder stimmungsaufhellende Medikamente zur "Problemlösung".
Diese Lösen aber nicht das Problem, sondern helfen nur den Zustand zu ertragen.
Besser ist es, an der Bewältigung des Problems zu arbeiten und die Ursachen zu beseitigen.
Also Start mit der Schuldenregulierung.
Start mit der Suche nach einem helfen kann und der auch bereit ist, einem zu helfen.
Verbrauchern können Schuldnerberatungsstellen helfen- Stelbständige. Gewerbetreibende. Handwerker etc.. müssen sich professionelle Hilfe suchen-das heißt -diese Hilfe ist nicht unentgeltlich. Die Finanzierung einer professionellen Hilfe ist daher ein wichtiges Thema und manchmal schon die erste Hürde, an der es scheitert.
In vielen Fällen ist aber gerade die Abstimmung mit einem Fachanwalt/Fachanwältin in der Phase der Suche nach dem richtigen Weg und was man machen darf und was nicht, so entscheidend, dass genau abgewogen werden sollte, wofür man noch Geld investiert und  wofür nicht. Diese Kosten sind jedenfalls gut investiert.

Leider werden zahlreiche Insolvenzen dadurch verursacht, dass falsche Entscheidungen getroffen werden oder gar keine.

Dies führt dann häufig zu anfechtbaren Handlungen, Insolvenzverschleppungen und im schlimmsten Fall zu einer strafrechtlichen Verurteilung und persönlichen Haftung und Insolvenz.

Nicht Krisensituationen, aber die meisten negativen Folgen könnten vermieden werden, wenn man die Risiken kennt und richtig handelt.

Angst hilft wenig- Angst machen auch nicht.

Krisen gehören zum Alltag und zu einem Unternehmerleben.
Krisen sind auch persönliche Identitätskrisen und werfen Fragen auf:
Warum und wie ist man in diese Krise geraten?
Bin ich kompetent und kräftig genug, einen Weg aus der Krise zu finden?
Unterstützen mich meine Familie, Bank, Mitarbeiter bei diesem Weg?

Wie sollten Sie praktisch mit Krisensituationen umgehen?


  • Keine unüberlegten und panischen Aktionen

  • Konzentration auf das Wesentliche / Prioritäten setzten

  • Rat einholen von einem erfahrenen und kompetenten Berater, der beruflich mit Krisensituationen zu tun hat 

  • Krise als Chance erkennen


II. Hilfe durch einen Fachanwalt

Oft genügt ein offenes Gespräch mit einem Spezialisten, um (neue) Wege zu erkennen, die weiterhelfen. Vertrauen Sie auf Ihre Kraft und meine Hilfe als


  • Wirtschaftsmediator (DIU) mit Verhandlungsgeschick und - technik für Verhandlungen mit Stakeholdern (Banken, Gläubigern, ua)

  • Master of business and administration (EHS) mit systemischen Ansatz und Kompetenz zur Bewältigung von Krisen und Konflikten

  • Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht mit vielfältigen Erfahrungen mit Gesellschafterstreitigkeiten und den Folgen

  • Fachanwalt für Insolvenzrecht mit über 15 jähriger Erfahrungen in der Phase der Krise und Insolvenz 

  • Sanierer, Schuldenregulierer, Insolenzverwalter


III. Muster für die Entschuldung eines Einzelunternehmers/
Analyse der wichtigsten Verhältnisse und Daten

1. Kontaktherstellung
über Herrn X, der mich empfohlen hat.

2. Erstberatung
(ca. 1 Stunde)
Manchmal als Service ohne Abrechnung. Nach Erstberatung normale Abrechnung für neue Stunden auf Stundenbasis.

3. Honorar
auf Stundensatzbasis z.B. 200 Euro pro Stunde plus Mehrwertsteuer
Wer bezahlt Honorar, das in den meisten Fällen als Bargeschäft laufen muss, da auch für den Berater sonst die Anfechtbarkeit der Zahlung droht.
Oft Ehepartner ua. , weil der Schuldner unter Umständen insolvent ist.(wird)

4. Klärung der persönlichen Verhältnisse des Schulders/Schuldnerin
-Ehestand: ? ; Ehefrau unterhaltsberechtigt?
-unterhaltsberechtigte Kinder
(Anzahl, Alter, Ausbildungsstand, Unterhaltsberechtigung)

5. Geschäft/ Firma/ Unternehmen
-Gründung
-Unternehmenszweck
-Arbeitnehmer
-Umsatz
-Gewinn/ Verlust
-Fortführungswille
-Fortführungsprognose
-Buchhaltung ordentlich?
-steuerliche Pflichten erfüllt?
-Besonderheiten

6. Schulden


  • Anzahl der Gläubiger ("Gläubigerköpfe")

  • Summe der Schulden


Im Einzelnen:
-Forderungsinhaber
-Forderungsgrund
-Forderungshöhe
-Titulierung ja oder nein
-Sicherheiten
-Stundungs- oder Ratenzahlungsvereinbarungen?

7. Zwangsvollstreckungsmaßnahmen -was liegt vor?
7.1. Vollstreckungsmaßahmen von Gläubigern
-Abgabe eidesstattliche Versicherung
-Kontopfändung
-Sachpfändung durch Gerichtsvollzieher
-Forderungspfändung
-Sicherungshypotheken
-Pfändung Geschäftsanteile
-Kassenpfändung
-Andere
7.2. Vollstreckungsmaßnahmen von Banken
7.3. Vollstreckungsmaßnahmen des Finanzamtes
7.4. Vollstreckungsmaßnahmen Krankenkassen?

8. Laufende Einnahmen Einkommen
Einkommen aus z.B.  GbR ca. XXXX Euro/ Monat
Einkommen aus Anstellungsverhältnis: X Euro netto

9. Vermögen
Wir besprechen, ob es freies nennenswertes Vermögen gibt.

10. Bisherige Tätigkeiten/Maßnahmen des Schuldners zur Krisenbewältigung und Ergebnisse:
Beispiele:
- Ratenzahlungsvereinbarung mit einzelnen Gläubigern. Reaktion: 3 von 10 angeschriebenen Gläubiger haben zugestimmt
- Vorsprache beim Finanzamt- Abteiligung Vollstreckung. Ergebnis:  Vorsprache ohne Ergebnis
- Antrag auf Festsetzung der Pfändungsfreigrenze:. Verfahrensstand: Antrag läuft
- Abgabe der Vermögensauskunft abgefordert. Erledigungsstand:  wurde erteilt
- Antrag bei Bank auf Umfinanzierung und Kontokorrenterhöhrung. Besonderheit:
Bank weiß noch nichts von Schwierigkeiten

 IV. Verfahrensschritte und Vorschläge
1. Ab in die Insolvenz

Nachteil:
-Hat Schuldner schon einmal ein Verfahren durchlaufen?
Wurde Restschuldbefreiung schon einmal erteilt wegen 10 Jahressperre?

-Rufschaden? Warum könnte Insolvenzeröffnung für den Ruf schädlich sein?
Es erfolgt aber keine Veröffentlichung in der Presse

-Erbanteil könnte in die Insolvenzmasse fallen. Eltern sind jetzt X und Y Jahre alt

-Verfahrensdauer: mehrere Jahre, wenn keine Beschleunigung durch Insolvenzplan möglich ist

Vorteil:
-Start einer ganzheitlichen Klärung
-Vollstreckungen könnten unterbunden werden
-Geschäftsbetrieb kann fortgeführt werden
-langfristig keine Schulden mehr.
-auch Finanzamt ist dann kein Gläubiger mehr
-auch Bankschulden sind nach Entschuldung weg.

Kann Einzelfirma/ Laden/ Handwerk in der Insolvenz weiter betrieben werden?
Ja, wenn es kostendeckend betrieben werden und die Existenzgrundlage decken kann.

Manchmal ist es aber sinnvoll, das Gewerbe aufzugeben, weil es unter dem Strich viel weniger abwirft als bei einer Anstellung verdient werden kann. Viele Selbändige arbeiten über 10 Stunden am Tag und durch Krankheiten von Mitarbeitern oder Forderungsausfälle o.ä- bleibt nichts übrig. Die Aufgabe kann daher auch Befreiung und Chande für Neustart sein.

Nicht immer- aber manchmal.
Man muss Fall für Fall also genau prüfen und abwägen.

Sonstige Fragen: Kann man Firma/ Betrieb/Laden unter Umständen verkaufen?

Kann man innerhalb des Insolvenzverfahrens Schuldenregulierung beschleunigen?
Ja- durch einen Insolvenzplan.
Wenn man die Mehrheit der Gläubiger von einem bestimmten Schuldenregulierungsvorschlag überzeugen kann und die Mehrheit der Gläubiger einen Insolvenzplan zustimmt, dann kann nach der Zahlung der Quote (Beispiel: 15 Prozent) ein Schuldenerlass im übrigen vereinbart werden.
Nach der Zahlung wird das Insolvenzverfahren aufgehoben und der Schuldner ist schuldenbefreit.

2. Möglichkeiten der Schuldenregulierung außerhalb eines Insolvenzverfahrens

Problem bei aktueller gewerblicher/selbständiger Tätigkeit gibt es kein Schuldenregulierungsverfahren wie beim Verbraucher mit der Möglichkeit einzelne Gläubiger, die gegen den Schuldenregulierungsvorschlag stimmen, dann überstimmen zu können.

Voraussetzung ist daher: alle Gläubiger müssen zustimmen.
Unter Umständen können Forderungen von Gläubigern von dritter Seite gekauft werden

V. Anschreiben an Gläubiger

1. Vertretungsanzeige

2. Ziel des Schreibens: Schuldenregulierung

3. Persönliche Verhältnisse offenlegen
-Ehestand -Kinder (Alter und Name) -Schulische und berufliche Bildung -Aktuelles Einkommen

4. Kurzdarstellung der Krise und Ursachen der Insolvenz

5. Darstellung der Verschuldung

6. Darstellung des Vermögens
-Immobilie: Wert, Belastung Bank, freier Wert
-Versicherung: ?, wenn ja, sind Rechte abgetreten, wenn ja ab wen?
-Geschäftsanteil
-Einrichtung Geschäft (Kurzdarstellung der Einrichtung mit aktuellen Werten und Darstellung der Unpfändbarkeit wegen Sicherung der Existenzgrundlage)
-Kontoguthaben
-Forderungen
-Hausrat
-Riesterrente oä.

7. Befriedigungsaussichten für Gläubiger im normalen Insolvenzverfahren
Dazu erfolgt hypothetische Betrachtung, der Schuldner befände sich in einem Regelinsolvenzverfahren:
-Insolvenzantrag- wann möglich
-Insolvenzeröffnung (ca. 4 Wochen nach dem Insolvenzantrag)
-Restschuldbefreiung nach 5 Jahren, wenn man die Verfahrenskosten (z.B. 1.000 Euro) aufbringen kann. Hinweis: Vermutlich wird die Vorgaben der EU die Dauer der Wohlverhaltensphase von 5 auf 3 Jahre verkürzt.
-Pfändbares Einkommen? Blickwinkel: was kann der Schuldner mit seiner ursprünglichen Berufsausbildung als Angestellter verdienen. Pfändungsfrei: X Euro.netto

Beachte: ist auch Frau unterhaltsberechtigt?

Was ist daher nach 5 Jahren (12x5=60 Monate) pfändbares Einkommen?
60 X Euro

Zwischenergebnis 7:
Mit an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit gibt es keine Quote/
Alternativ: Quote von X Prozent.
 
8. Unser Regulierungsangebot
Alternative 1:
Der jeweils pfändbare Teil des Einkommens wird für den Zeitraum von 60 Monate an die Gläubiger quotal abgeführt.
Wenn der Schuldner weiter selbständig ist, erfolgt die Kalkulation:
Einnahmen
abzüglich betriebsbedingter Kosten (Verbrauchsmittel , Reinigung, Miete, Strom, Versicherung, KFZ, Steuerberaterkosten)
abzüglich eigener Krankenkasse abzüglich
eigener Rentenvorsorge
Differenz = X
Dieses Ergebnis wird dann geteilt durch 12 und entspricht dem monatlichen Einkommen.

Dann Check, ob dies über der Pfändungsfreigrenze liegt.

Abrechnung mit den Gläubigern erfolgt einmal pro Jahr, jeweils zum 31.3. des Folgejahres.

Alternative 2:
Von dritter Seite wird eine Einmalzahlung geleistet in Höhe von:
a) X Euro oder
b) Y Prozent (Beispiel 10 Prozent) auf den begründeten Forderungen der Gläubiger

intern: Startangebot nicht gleich maximal möglichen Betrag nennen.

Klärungem: 


  • Wer bezahlt? Innerhalb der Familie? Ehefrau?Freund?

  • Wann kann  bezahlt werden? Z.B. Innerhalb von 4 Wochen ab Zustimmung zu Schuldenregulierungsvorschlag.


Beachte: Es ist die Zustimmung aller Gläubiger erforderlich.

Der Vergleich wird nicht wirksam, wenn einzelne Gläubiger widersprechen.

Wesentlicher Teil eines Vergleichs ist die Abgeltungsklausel:
"Nach Zahlung der angebotenen Quote, erlässt der Gläubiger die verbleibenden Forderungen."
 
9. Weitere Verfahrensweise, Fristen und Bitten
9.1. Rückäußerung

Wir bitten Sie um Rückäußerung zu diesem Vorschlag innerhalb von 10 Tagen ab Zustellung.

9.2. Forderungsmitteilung
Ferner bitten wir Sie mit Mitteilung ihrer aktuellen Forderung, gegliedert nach:
-Hauptforderung,
-Nebenforderungen,
-Zinsen.

Bestehen Sicherheiten- z.B. Abtretungen?

9.3. Einstellung sämtlicher Vollstreckungsmaßnahmen
Ich bitte und beantrage sofort alle Zwangsvollstreckungsmaßnahmen einzustellen oder einstellen zu lassen. Vollstreckungsmaßnahmen behindern jetzt nur. Erfolgreiche Vollstreckungen wären anfechtbar wegen der Rückschlagssperrre.

9.4. Für etwaige Rückfragen stehe ich/wir gerne zur Verfügung.

Ort, Datum, Unterschrift


10. TODO für Fachanwalt und ReFa 
1. Vollmacht  ua an Schuldner mailen
2. Vollmacht, Gebührenvereinbarung unterzeichnen lassen
3. Verschwiegenheitsentbindung für Finanzamt und Bank  einholen
4. Abstimmungen
Achtung: Zeitpunkt des Absendens an die Gläubiger muss abgestimmt werden.
Fachanwalt braucht klares "go" vom Schuldner.
Weil: Bank könnte sofort nach dem Anschreiben des Fachanwalts Geschäftsbeziehung sofort  kündigen.

11. Hausaufgaben an den Mandanten:
1. Vollmacht, Honorarvereinbarung, Entbindung von der Verschiegenheitsverpflichtung unterschrieben zurücksenden.
2. Ergänzung Anschreiben an Gläubiger mit Daten
2.1. Vermögensauskunft
2.2. Gläubigerverzeichnis
3. Check:
3.1. Angebot an Gläubiger
Was kann von dritter Seite zur quortalen Befriedigung der Gläubiger bezahlt werden ?
3.2. Fortführung Geschäftsbetrieb gewollt und möglich?
(Chancen und Voraussetzungen z.B. Finanzierung)

Schlussbemerkung:
Es gibt Wege aus der Krise -für insolvente Verbraucher, Handwerker, Unternehmer ua.
Der erste Schritt ist oft der schwerste:
Suche eines Beraters.

Hinterher sagen viele:
"warum habe ich das nicht schon viel früher gemacht.
Ich fühle mich wie befreit. Es war der Start in ein neues Leben."


Ich stehe Ihnen gerne als Spezialist zur Bewältigung von Krisen zur Verfügung.

Hermann Kulzer MBA
Fachanwalt für Insolvenzrecht
Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht
Wirtschaftsmediator (DIU)
insoinfo
Verfasser: Hermann Kulzer MBA Fachanwalt für Insolvenzrecht, Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht
 
01.04.2017 Schwierige Verhandlungen führen - unterstützt durch Hermann Kulzer, MBA, Fachanwalt, Wirtschaftsmediator
Information Falsche Töne und Streit zwischen Gesellschaftern, Geschäftsführern, Erben, Freunden birgt viele Gefahren.

Im Streit verliert man die Wahrheit.
Streit schafft Leid.
Wo viel Streit ist, da halten die Advokaten Ernte -
heißt es in alten Sprichwörtern.

Stimmt alles - aber es heißt auch: keine Beute ohne Streit.

Was kann man also tun?
Meine Antwort als Fachanwalt und Mediator mit einer Vielzahl von Vertretungen in gerichtlichen Streitigkeiten einerseits und zahlreichen außergerichtlichen Einigungen andererseits lautet:

Sachgerechtes Verhandeln ist oft weiser, billiger und erfolgreicher als der gerichtliche Streit.

Der hat auch seine Berechtigung- insbesondere wenn man vor Gericht unbegründet angegriffen wird und sich verteidigen muss.

Konflikte gibt es seit Jahrhunderten.
Auch Bestrebungen, Konflikte zu verstehen und gewaltfrei und sachgerecht zu klären.

Der europäische Rat der Justizministerinnen und -minister hat im Februar 2008 in Brüssel den Vorschlag für eine „Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates über bestimmte Aspekte der Mediation in Zivil- und Handelssachen“ beschlossen (sog. Mediationsrichtlinie).

Nach vielen Jahren folgte in Deutschland ein Mediationsgesetz.

Die außergerichtliche Konfliktbewältigung hält langsam Einzug in die Köpfe der Menschen.
Es gibt nach und nach ein neues Konfliktverständnis.
Konflikte können auch Chance sein. Konflkte haben nicht nur negative Verküpfüngen.
Konfliktlösung ist mehr als die fünf klassischen Methoden:


  • Erobern

  • Verdrängen

  • Kuhhandel

  • Wundpflaster

  • Verschanzen hinter Rollen.


Im Streit um Umgangsrechte mit Kindern, wird das sachgerechte Verhandeln und die Mediation in Deutschland schon regelmäßig mit Erfolg eingesetzt. 'Bei anderen Streitigkeiten ist die Mediation leider noch immer die Ausnahme.

In den USA hat die Mediation und die außergerichtliche Streitklärung einen anderen Stellenwert.
Über 50 Prozent aller Streitigkeiten werden außergerichtlich geklärt. Vielleicht liegt das auch daran, dass Entscheidungen der Gerichte unberechenbarer sind.
Es gibt Universitäten wie Harvard, die über Konfliktursachen und Konfliktbewältigung forschen und viele Studenten in der Verhandlngstechnik ausbilden.

Weltweit anerkannt ist das Harvard Konzept und wird auch in Deutschland gelehrt.

Ich, Hermann Kulzer, durfte das Harvard Konzept schon vor mehr als 10 Jahren  bei Egger Philips, dem einzigen Anbieter in Europa mit einer Lizenz der Harvard Universität kennenlernen und erlernen. Später wurden diese Prinzipien auch während meiner Mediationsausbildung an der Dresden Initernational University vermittelt.

Das sachgerechte Verhandeln hilft den Parteien im Verhandlungs- und Einigungsprozess.

Die Parteien selbst sollen sich über ihre Interessen klar werden und Lösungen entwickeln, um ihren Konflikt eigenverantwortlich und interessengerecht beizulegen.
Der entscheidender Punkt ist, dass die andere Seite nicht als Feind oder Gegner angesehen wird, sondern als Verhandlungs- oder Konfliktpartner.

Was sind schwierige Verhandlungen, über die ich nachfolgend etwas schreiben möchte?
Schwierige Verhandlungen liegen vor wenn:


  • die Bedeutung der Sache groß ist

  • ein Scheitern der Verhandlung für eine von beiden Parteien existentiell sein kann

  • Beleidigungen in der Vergangenheiten erfolgten

  • die Beziehung gestört ist

  • Machtspiele erfolgten oder zu erwarten sind

  • Positionen festgefahren sind

  • Verhandlung scheinbar sinnlos ist

  • Parteien sich entschlossen haben, Sache jetzt gerichtlich auszutragen

  • u.v.m


Wie kann man nun schwierige Verhandlungen führen?



  • Systemisches Vorgehen


Schwierige Verhandlungen können in vielen Fällen erfolgreich geführt werden, wenn man mit System vorgeht. Man kann sich in der Verhandlungstechnik schulen lassen oder einen Coach zuziehen, der einen bei der Verhandlung unterstützt.



  • Geeignetes Umfeld schaffen


Natürlich sollte man zu Beginn ein günstiges Verhandlungsklima oder eine geeingete Atmosphäre schaffen: Wahl des Ortes, des Zeitpunktes, des Raumes,. der Bestuhlung, gute Ausstattung und Versorgung, nette Eingangsworte u.v.m.



  • Spielregeln festlegen


Ferner sollte man über sogenannte Spielregeln sprechen: was geht nicht, was geht?
-Ausreden lassen,,
-keine persönlichen Beleidigungen,
-Vertraulichkeit der Gespräche ua.


Dann startet der eigentliche Verhandlungsprozess der schwierigen Verhandlung:



  • Gesprächsthemen gemeinsam festlegen

  • Wahrnehmungen der eigenen und der anderen Seite klären

  • Nicht sofort reagieren, wenn man sich provoziert oder angegriffen fühlt 

  • Gegenseite entwaffnen durch eine Reaktion, mit der sie nicht rechnet:


            -Situation mit den Augen der anderen Seite sehen
            -dem anderen zuhören und ausreden lassen
            -wiederholen, was man gehört hat
            -Anerkennung des Standpunktes der Gegenseite
            -Anerkennung der Gefühle der anderen Seite
            -Anerkennung von Autorität und Kompetenz der anderen Seite
            -um Entschuldigung bitten, soweit man dies in Frage gestellt haben sollte



  • Eigene Gefühle darstellen mit Ich-Aussagen

  • Eigene Interessen (Wünsche, Bedürfnisse, Sorgen und Befürchtungen) darstellen

  • Bedürfnisse der anderen Seite darstellen lassen.

  • Gemeinsame Bedürfnisse klären

  • Brainstorming machen: Was wäre, wenn...(z.B. was wäre, wenn ich ihre Position akzeptiere --- wäre das fair?)

  • Verhandlungspsychologie einsetzen


          -"Granitmauern" interpretieren als Wunschträume
          -"Angriffe" als freundlichen Scherz mitverstehen
          - klärende Fragen stellen



  • Wendepunkt suchen: Weg vom Positionsgerangel hin zum problembezogenen Verhandeln

  • Goldene Brücke bauen:
    Baue dem Gegner eine goldene Brücke, über die er sich zurückziehen kann.

  • Angebot machen und flexibel daran festhalten

  • Folgen des Scheiterns darstellen: nicht drohen, sondern warnen

  • Gemeinsame positive Macht aufbauen

  • In die Zukunft schauen und aus der Vergangenheit lernen

  • Alternariven schaffen

  • Machbares entwickeln

  • Vereinbarung zu beiderseitigem Nutzen abschließen

  • TODO machen für Umsetzung


Angebot
Der Autor übernimmt schwierige Verhandlungen (unter anderem) in nachfolgenden Fällen:


  • Gesellschafterstreit

  • Geschäftsführerauseinandersetzung

  • Erbauseinandersetzung

  • Unternehmenskrise

  • Innerbetriebliche Streitigkeiten

  • Streit zwischen Unternehmen

  • Streit beim Unternehmensverkauf u.v.m.
  • insoinfo
    Verfasser: Kulzer Hermann, MBA, Fachanwalt, Wirtschaftsmediator(DIU) , Verhandlungscoach
     
    30.03.2017 Konfliktbewältigung ohne Niederlage und gewaltsame Kommunikation
    Information I. Niederlagelose Methode der Konfliktbewältigung

    Aus der Tradition heraus gibt es für viele Menschen nur zwei Methoden der Konfliktklärung:

    • Sieg oder

    • Niederlage.


    Entweder der eine setzt sich durch, oder der andere.
    Wer sich durchsetzt, ist der Gewinner- der andere der Verlierer.
    Das passt wohl in einigen Fällen, wo es scheinbar keine Alternativen gibt. Es passt aber oft in der Familie, bei Gemeinschaften oder in der Firma.
    Man muss auch mit dem sogenannten Verlierer weiterleben, weiterzusammenarbeiten oder dass nur das alte Sprichwort passt: "man sieht sich immer zweimal im Leben".
    Es gibt zur traditionellen Konfliktbewältigung eine Alternative:
    die niederlagelose Methode der Konfliktbewältigung.

    Diese passt für

    • Eheleute,

    • Eltern-Kind-Konflikte,

    • streitende Kaufleute

    • Konflikte unter Mitarbeitern

    • Auseinandersetzungen unter Geschäftsführern

    • Streit unter Erben

    • Konflikte im Rahmen von Krise oder Insolvenz


    Was ist das Besondere an dieser Methode?
    Es geht um die Motivation und das Prinzip der Mitbestimmung.
    Ein Mensch ist eher motiviert, eine Entscheidung in die Tat umzusetzen, wenn er an der Entscheidung beteiligt ist- wenn er sie mitgestalten durfte und er hinter ihr steht. 

    Im Gegensatz dazu wird ihm die Entscheidung von der anderen Seite aufgezwungen; er fühlt sich überfahren, übervorteilt, ausgetrickst, übergangen oder gar betrogen. 

    Der ausgeübte Zwang kann in den verschiedensten Formen vorkommen.

    Das Ergebnis ist meist gleich.
    Der andere fühlt sich unwohl, rebelliert oder wird krank oder formiert Bündnisse für den Kampf u.v.m.

    Es gibt natürlich auch bei der alternativen Methode keine Garantien dafür, dass die gemeinsam vereinbarten Lösungsvorschläge immer sofort und nachhaltig umgesetzt werden.
    Die Methode erhöht aber die Wahrscheinlichkeit einer Umsetzung erheblich.

    Und manchmal gibt es gar keinen andern Ausweg, als die alternative Methode zu versuchen- dann nämlich, wenn es für eine Seite unerträglich ist. Bei der alternativen Methode werden Lösungen als eigene Ideen empfunden.
    Man  wünscht sich viel mehr, dass sie funktionieren, wenn es etwas eigenes ist oder wenn man daran beteiligt ist.

    Der Lösungsansatz ist daher: gemeinsam nachdenken und eine passende Lösung suchen. 

    Diese Lösungen befriedigen meist mehr als ein Sieg- erst recht mehr als eine Niederlage. Voraussetzung ist eine Bereitschaft, die bisherige Konfliktkultur zu verbessern.
    Voraussetzung ist ferner die Bereitschaft, die Bedürfnisse und Rechte des anderen zu respektieren.

    Diese Methode baut nicht auf Macht auf oder eine Über- und. Unterordnung.
    Die niederlagelose Methode der Konfliktbewältigung kennt

    • kein "Zurückschlagen"

    • kein Kleinkriegen,

    • keine Machtspielchen

    • kein Mobben.


    Es gibt keine Angst, dass man zu etwas gezwungen wird, was man nicht will oder bestraft wird für etwas, was man nicht richtig gemacht hat.


    • Mitbestimmung,

    • Nachdenken,

    • Kooperation,

    • Chancen erkennen und nutzen


    sind die maßgeblichen Schlagworte, die dieser Methode zuzuordnen sind.

    Das Wichtigste ist aber: Durch diese Methode kommt man auf den Grund des eigentlichen Problems:

    • Was beunruhigt den Mitarbeiter, Eheparter oder das
      Kind, oder den Mitgesellschafter?



    Diese Alternative stellt daher ein Problemlösungsinstrument oder -tool dar.

    Es ist kein Zeichen von Schwäche oder eine unpraktikable Methode, weil sie viel zu viel Zeit in Anspruch nimmt und man meist gar nicht die Zeit für solche "Spielchen" hat.

    Die alternative Methode ist kein zeitraubendes Spielchen, sondern spart Zeit und Aufregung.

    Wieviel Zeit und Energie geht denn verloren, wenn zwei Parteien immer wieder nach dem selben Muster streiten?
    Wieviel Schaden wird in Firmen verursacht, wenn man sich in Kreisläufen des Konflikts gefangen hat?
    Wieviel Zeit kostet es, sich darüber aufzuregen?

    Auch die Änderung kostet Kraft und Zeit- weil man das nicht nach 10 Minuten umsetzen und ändern kann.
    Es muss systematisch eingeführt und trainiert werden. Man hat es oft erst nach einigen Dutzend Wiederholungen verstanden und verinnerlicht.

    Der Nutzen ist groß- in jeder Hinsicht: langfristig, nachhaltig, menschlich und wirtschaftlich.

    II. Verfahrensweise (5 Fragen zu scheinbar "banalen" Konflikten)

    1. Was ist der Konflikt?
    Beispiel 1: Der Mitarbeiter will das Fahrzeug nicht fahren.
    Beispiel 2: Das Kind will den Regenmantel nicht anziehen.

    2. Was sind die Hintergründe und Interessen?
    B:1 Das Auto bremst nicht mehr richtig. Der Mitarbeiter hat Angst
    B:2 Der Regenmantel hat eine unmögliche Farbe. Das Kind schämt sich.

    3. Was könnten mögliche Alternativlösungen sein?
    B.1: Autoreparatur, Leihwagen ua.
    B.2: anderer Mantel

    4. Wie werden diese Alternativen von den Beteiligten bewertet?
    B.1: freut sich mal neues Auto fahren zu können.
    B.2: Kind freut sich mal Mantel der Mutter anziehen zu können, Später soll Regenmantel bei Kleiderkreisel getauscht werden.

    5. Wie kann ein Lösungsvorschlag konkretiert werden?
    B.1: Mitarbeiter bekommt Vollmacht Leihwagen ausleihen zu können.
    B.2: Kind bekommt Regenmantel der Mutter, der dem Kind geföllt.

    III. Gewaltfreie Kommunikation
    Ebenso wirksam wie die Methode der niederlagelosen Konfliktbewältigung ist die gewaltfreie Kommunikation.

    1. Kommunikation wie unter Wölfen?

    Verbaler Krieg oder eine gewaltsame Kommunikation kommen überall vor:



    • in der Ehe

    • in der Arbeit

    • mit dem Nachbarn

    • unter Firmen

    • zwischen Staaten uvm.


    Nach dem amerikanischen Psychologen und Konfliktforscher Marshall B. Rosenberg leben wir seit 8.000 Jahren in einer Wolfswelt mit einer Wolfssprache.
    Es startet schon in der Kindheit. Sobald wir als Kinder das erste Mal hören: “Das ist gut, das ist schlecht” – von da an geht es nicht mehr um Bedürfnisse, sondern um Urteile, Vergleiche und Bewertungen. Wir werden von nun an programmiert nachzudenken, was andere über uns, wir über andere denken, um gegenseitig unser Verhalten zu beurteilen.


    In der gewaltsamen Sprache wird



    • bewertet

    • klassifiziert 

    • alles interpretiert

    • alles kritisiert

    • analysiert

    • man weiß jederzeit, was der andere falsch macht

    • in jedem Satz findet sich ein "aber"

    • man hat immer Recht

    • der andere hat immer Schuld

    • man droht mit Strafen oder straft

    • Liebe wird als Druckmittel eingesetzt oder entzogen

    • Es gibt "Du-Sätze”

    • Regeln und Normen sind ganz wichtig

    • wenn der Kritiker selbst kritisiert wird, fühlt er sich sofort verletzt und nicht respektiert

    • Gegenattacken folgen


    2. Ursachen und Folgen der gewaltsamen Kommunikation

    Nach der Theorie der “Gewaltfreien Kommunikation” ist die Wolfssprache der missglückte Versuch, ein (in dem Moment nicht bewusstes) Bedürfnis auszudrücken.
    Wir haben nicht gelernt unsere Bedürfnisse und Gefühle offen zu kommunizieren.
    Wir erwarten, dass das Gegenüber sie selbstverständlich erkennen.

    Wölfe/ Wölfinnen sind meistens mit sich und ihrer Umwelt in emotionalen, mentalen und verbalen Krieg. Wolfsverhalten ist eine permanente Quelle von Gewalt, Macht und Ohnmacht.


    3. Das Gegenmodell: die gewaltfreie Kommunikation des Marshall B. Rosenberg

    Marshall B. Rosenberg hat ein Gegenmodell zur gewaltsamen Kommunikation entwickelt: die gewaltfreie Kommunikation.


    • Sprache ohne Angriffe

    • Zuhören

    • Wer Frieden im Außen will, muss mit sich selbst im Reinen sein

    • Achtung der Gefühle 

    • Achtung der dahinter liegenden Bedürfnisse

    • Trennung von Beobachtung und Bewertung

    • Vorwürfe, Kritik und Beleidigungen werden nicht persönlich genommen, sondern werden übersetzt in Gefühle und unerfüllte Bedürfnisse


    4. Technik der gewaltfreien Kommunikation: 4 Schritte


    • 1. Schritt: Beobachtung /Situation/ Auslöser
      Beobachten ohne zu bewerten. Was ist wertfrei passiert?
      Beispiel: Ich habe das Konzept nicht zu dem vereinbarten Termin von Ihnen erhalten.

    • 2. Schritt: Gefühl (Ich-Botschaft)
      Unterscheiden zwischen Gefühl und Gedanke
      Beispiel: Ich bin irritiert und beunruhigt

    • 3. Schritt: Bedürfnis
      Unterscheiden zwischen Wunsch und Bedürfnis.
      Beispiel: Ich brauche Verlässlichkeit und Effektivität bei der Zusammenarbeit.

    • 4. Schritt: Konkrete Bitte
      Unterscheiden zwischen Bitte und Forderung.
      Beispiel: Bitte halten sie künftig die Termine ein oder teilen mir rechtzeitig mit, wenn sich der Zeitplan ändert.

      4 Fragen sind daher von Bedeutung:



    • 1. Frage: Was beobachten wir?

    • 2. Frage: Was fühlen wir?

    • 3. Frage: Was brauchen wir?

    • 4. Frage: Was erbitten wir?



     


    Ich höre Ihnen gerne zu und unterstütze Sie bei der Konfliktbewältigung ohne Niederlagen und mit der gewaltfreien Kommunikation.

    Enden möchte ich mit einem Zitat von Jesper Juul, den ich sehr schätze:
    "Es reicht nicht über uns selbst zu sprechen, wenn wir uns weiterentwickeln wollen.
    Wir müssen uns einem anderen Menschen gegenüber äußern, der die Fähigkeit besitzt zuzuhören.“ .



    Hermann Kulzer MBA
    Wirtschaftsmediator (uni DIU),
    Fachanwalt

    Dresden, Berlin, Augsburg


    Glashütterstraße 101a,
    01277 Dresden

    0351 8110233
    Fax: 0351 8110244

    kulzer@pkl.com



    insoinfo
    Verfasser: Hermann Kulzer MBA, Wirtschaftsmediator, Rechtsanwalt
     
    27.03.2017 Systemisches Handeln: warum arbeiten wir und was wollen wir erreichen? Wirksame Lösungen erzielen.
    Information Was wollen wir, warum, wann erreichen?
    Was ist der Zweck unseres Lebens? 
    Was ist der Zweck unserer/der Firma?
    Warum soll das Unternehmen saniert oder verbessert werden?
    Warum wollen wir die Beziehungen verbessern oder erhalten?
    Warum wollen wir Krisen oder Konflikte bewältigen und es nicht einfach laufen lassen?
    Welchen Sinn oder Vorteil hat es, dies alles mit System zu klären?

    I. Systemischer Ansatz
    1. Was ist ein systemischer Ansatz?
    Systemisches Denken und Handeln zeichnet sich dadurch aus, dass es unter die Oberfläche geht. Man frägt nach Hintergründen, Zusammenhängen, Zweck und Zielen.
    2. Wie läuft ein systemischer Ansatz?
    2.1. Das "wozu" klären, vgl. Einzelfragen unter II.
    2.2. Blick auf das Ziel:
    -was bedeutet das Ziel konkret fur uns
    (unser Team, unseren Arbeitsbereich, unsere Familie usw.)
    -was sollte nach unserem Verständnis das Ziel für die jeweils anderen bedeuten?
    -wie, glauben wir, können die jeweils anderen uns darin unterstützen, das Ziel zu erreichen?
    -wie, meinen wir, können wir die jeweils anderen darin unterstützen, um das Ziel zu erreichen?
    2.3. Wechselseitige Vorstellung der Ergebnisse
    2.4. Realer (zirkulärer) Dialog
    2.5. Verhandlung über wechselseitige Unterstützung und die daran geknüpften Fragen
    2.6. Fixierung der Vereinbarungen

    II. Was brauchen wir und was wollen wir erreichen?
    1. Aufgaben
    Wir brauchen Aufgaben, die uns (zwingend) erfüllen, also Herausforderungen, Lebensinhalt, eine Berufung, eine Mission.
    Wissenschaftlich ausgedrückt:
    Eine Aufgabe ist in der Organisationslehre die von einem Aufgabenträger wahrgenommene, dauerhaft geltende Anforderung, Verrichtungen an Arbeitsobjekten zwecks Erreichung bestimmter Ziele durchzuführen. 

    2. Ideen und Ziele
    Wir brauchen Ideen- wir wollen kreativ sein.
    Wir brauchen Ziele, die wir erreichen wollen und können - ohne Angst und Furcht vor dem Scheitern.

    3. Plan und Strategie
    Wir brauchen einen Plan, den wir verstehen und dem wir folgen wollen.
    Wir benötigen eine Strategie, mit der wir unserer Ziele erreichen wollen.

    4. Bedürfnisse
    Wir haben Bedürfnisse, die wir kennen sollten und die wir befriedigen wollen.
    Wir brauchen Menschen, mit denen wir unsere Ziele verwirklichen oder besprechen können.
    Wir brauchen Erlebnisse, an die wir uns immer erinnern.

    5. Unternehmung und Unternehmenserfolg
    Wir brauchen etwas, das wir unternehmen können, das wir mit Erfolg betreiben können- gemeinsam Ziele erreichen.

    6. Mitarbeiter
    Wir brauchen Mitarbeiter, die Spaß an der Arbeit haben und wissen, warum sie arbeiten.
    Sie müssen dieselben Ziele haben und voller Energie und Motivation sein.

    7. Führungspersonen
    Wir brauchen Führungspersönlichkeiten, die die Fähigkeit haben, andere zu begeistern und ihre Potentiale auszuschöpfen. Führung, Motivation, Hilfe.

    8. Kommunikation
    Wir müssen kommunizieren, um zu leben, um unsere Ideen auszudrücken und unsere Ziele mitzuteilen. Wir sollten den Plan offen legen, warum wir was erreichen wollen und wann.
    Das sollte man mit seinem Partner machen, wie auch mit seinen Mitarbeitern, Kollegen und Führungspersonen.

    9. Erfolg
    Der Begriff Erfolg bezeichnet das Erreichen selbst gesetzter Ziele. Das gilt sowohl für einzelne Menschen als auch für Organisationen. Man sollte Erfolge feiern.- möglichst gemeinsam.
    So verstehe ich Sanierung -
    so verstehe ich Krisenbewältigung und Unternehmensführung.
    So verstehe ich die Mandatsbearbeitung:
    gemeinsam Erfolge erringen.

    10. Einklang und Veränderung
    Wir wollen unsere eigenen Lebensziele mit unserer Arbeit in Einklang bringen.
    Dies erfordert ein Konzept, Klarheit, Energie und manchmal auch Veränderung.

    Gandhi sagte einmal:
    "Wir müssen selbst die Veränderung werden, die wir in der Welt suchen."
    Damit sollten wir starten.
    insoinfo
    Verfasser: Hermann Kulzer, MBA, Fachanwalt, Mediatior
     
    21.02.2017 Falsche Bilanzierung und fehlerhafte Beratung durch den Steuerberater: Haftung
    Information Ein Geschäftsführer einer GmbH, die Solaranlagen baut,  beauftragt einen Steuerberater, die Bilanz für die Gesellschaft zu erstellen.
    Die GmbH machte im letzten Jahr Verlust und  ob das Eigenkapital schon aufgebraucht ist, ist fraglich. Auf Grund der kritischen Marktlage ist die Fortführung der Gesellschaft nicht sicher.
    Der Steuerberater erstellt die Bilanz und setzt die Aktivwerte zu Fortführungswerten an.
    Er weist den Geschäftsführer nicht auf Risiken hin - insbesondere eine mögliche Insolvenzantragspflicht für den Fall, dass ein Insolvenzgrund vorläge.  Er berät den Geschäftsführer auch nicht, dass eine Fortführungsprognose erstellt werden muss.
    Die Gesellschaft gerät durch einen Fremdantrag 1 Jahr später in die Insolvenz.
    Der Insolvenzverwalter und die Staatsanwaltschaft gehen von einer Insolvenzverschleppung aus und nehmen den Geschäftsführer in Haftung.
    Haftet (auch) der Steuerberater für eine fehlerfafter Bilanz und eine fehlerhafte Beratung?

    Ein Fall-wie er in meiner Praxis als Insolvenzverwalter oder prozessualer Vertreter in Schadensersatzprozessen oft vorkommt.

    Einen ähnlichen Fall hat jüngst der Bundesgerichtshof zu entscheiden.
    Es gibt keine Entwarnung für Steuerberater, sondern einen "Weckruf".
    Die Pflichten, die der Bundesgerichtshof für Steuerberater aufzeigt, werden für diese erhebliche Konsequenzen haben.
    Ab jetzt werden Klagen gegen Steuerberater wegen falschen Bilanzen und einer falschen Beratung noch viel häufiger kommen als bisher.
    Vorsorge der Steuerberater ist erforderlich und vor allem eine intensive Fortbildung in Sachen Krise von Gesellschaften.
    Die Pflichten des  Steuerberaters in der Krise seiner Mandantin, die der Bundesgerichtshof klar benennt, müssen sorgfältig beachtet werden, ansonsten können Fälle, wie der nachfolgend dargestellte, existenzgefährdend für den betroffenen Steuerberater werden können.

    Für die Geschäftsführer gibt es aber durch diese Entscheidung keine Entwarnung nach der 'Devise: "der Steuerberater ist schuld und er muss haften".
    Vielmehr hat der Geschäftsführer die Pflicht immer zu prüfen, ob die Gesellschaft zahlungsfähig oder überschuldet ist.
    Er muss - wenn er keine eigene Fachkompetenz hat- kompetenten Rat (z.B. bei Fachanwälten für Insolvenzrecht)  einholen.
    Er muss sich  in Krisensituationen  kümmern.
    Erst recht in einer schweren Krise.


    Die Leitsätze der neuen Entscheidung:

    1. Besteht für eine Kapitalgesellschaft ein Insolvenzgrund, scheidet eine Bilanzierung nach Fortführungswerten aus, wenn innerhalb des Prognosezeitraums damit zu rechnen ist, dass das Unternehmen noch vor dem Insolvenzantrag, im Eröffnungsverfahren oder alsbald nach Insolvenzeröffnung stillgelegt werden wird (HGB § 252 Abs. 1 Nr. 2).

    2 a) Der mit der Erstellung eines Jahresabschlusses für eine GmbH beauftragte Steuerberater ist verpflichtet zu prüfen, ob sich auf der Grundlage der ihm zur Verfügung stehenden Unterlagen und der ihm sonst bekannten Umstände tatsächliche oder rechtliche Gegebenheiten ergeben, die einer Fortführung der Unternehmenstätigkeit entgegenstehen können ( BGB § 675; HGB § 252 Abs. 1 Nr. 2a).
    Hingegen ist er nicht verpflichtet, von sich aus eine Fortführungsprognose zu erstellen und die hierfür erheblichen Tatsachen zu ermitteln (Ergänzung zu BGH, WM 2013, 802 und BGH, WM 2013, 1323)

    2b) Eine Haftung des Steuerberaters setzt voraus, dass der Jahresabschluss angesichts einer bestehenden Insolvenzreife der Gesellschaft objektiv zu Unrecht von Fortführungswerten ausgeht, BGB § 675, InsO § 19 Abs. 2.
    Der mit der Erstellung eines Jahresabschlusses für eine GmbH beauftragte Steuerberater hat die Mandantin auf einen möglichen Insolvenzgrund und die daran anknüpfende Prüfungspflicht ihres Geschäftsführers hinzuweisen, wenn entsprechende Anhaltspunkte offenkundig sind und er annehmen muss, dass die mögliche Insolvenzreife der Mandantin nicht bewusst ist (teilweise Aufgabe von BGH, WM 2013, 802)

    Sachverhalt des Falles
    Die H.GmbH (fortan: Schuldnerin) beauftragte den beklagten Steuerberater im Jahr 2005, den Jahresabschluss für das Jahr 2003 zu erstellen. Hierzu übergab die Schuldnerin dem Beklagten unter anderem den Jahresabschluss für das Jahr 2002, der einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von 33.100 € auswies.
    In den Folgejahren er-teilte die Schuldnerin dem Beklagten jeweils erneut Einzelaufträge, die Jahresabschlüsse zu erstellen.
    Der Beklagte kam diesen Aufträgen nach. Die vom Beklagten erstellten Jahresabschlüsse wiesen jeweils nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbeträge auf.

    In zwei  Anschreiben vom April 2007 und August 2007 wies der Beklagte Steuerberater darauf hin, dass der Geschäftsführer der Schuldnerin verpflichtet sei, regelmäßig die Zahlungsfähigkeit sowie die Vermögensverhältnisse der GmbH dahingehend zu überprüfen, ob die Zahlungs-fähigkeit gewährleistet ist und dass keine Überschuldung vorliegt.

    Mit Schreiben vom November 2007 wies der Steuerberater auf einen Rückgang der Umsatzerlöse im Vergleich zum Jahr 2006 um fast 50 v.H. bei gleichzeitig um 20 v.H. gestiegenem Personalaufwand hin.
    Mit Schreiben vom Januar 2009 übersandte er den vorläufigen Jahresabschluss für das Jahr 2007 und teilte mit, dass sich die Überschuldung durch den Jahresfehlbetrag weiter erhöht habe. Im Juli 2009 stellte die Schuldnerin Eigenantrag;.
    Das Insolvenzverfahren über ihr Vermögen wurde am 15.Juli 2009 eröffnet und der Kläger zum In-solvenzverwalter bestellt.

    Der Kläger behauptet, die Schuldnerin habe über keine stillen Reserven verfügt und sei bereits seit 2002, jedenfalls aber Mitte 2005 bei Übernahme des ersten Auftrags durch den Beklagten insolvenzreif, nämlich überschuldet und aufgrund ihrer aus der Überschuldung folgenden Kreditunwürdigkeit zahlungsunfähig gewesen. Jedenfalls seit 2006 sei die Zahlungsfähigkeit zweifelhaft gewesen.
    Bereits im Mai 2005 will der Beklagte den Geschäftsführer auf das Problem der bilanziellen Überschuldung hingewiesen haben, worauf dieser ihm erklärt habe, das Problem sei bekannt, es sei eine Kapitalerhöhung geplant und er werde das Problem mit dem Gesellschafter besprechen.
    Der Kläger beantragt festzustellen, dass der Beklagte sämtliche Schäden seit dem 30.Juni 2005 zu ersetzen habe, die durch eine verschleppte Insolvenzantragstellung bei der Schuldnerin entstanden seien.

    Früher war der Bundesgerichtshof der Auffassunmg, dass es grundsätzlich nicht Aufgabe des mit der allgemeinen steuerlichen Beratung der GmbH beauftragten Beraters ist ,die Gesellschaft bei einer Unterdeckung in der Handelsbilanz darauf hinzuweisen, dass es die Pflicht des Geschäftsführers ist, eine Überprüfung vorzunehmen oder in Auftrag zu geben, ob Insolvenzreife eingetreten ist, und gegebenenfalls gemäß § 15a InsO Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu stellen (BGH, Urteil vom 7.März 2013, aaO Rn.15, 19; vom 6.Juni 2013, aaO Rn. 12). Diese Auffassung hält der Bundesgerichtshof in einer Entscheidung von 2017 nicht mehr fest.

    Damit hat der Bundesgerichtshof die Haftung von Steuerberatern erheblich verschärft.
    Die nachfolgenden Ausführungen stellen den Tatbestand und die Entscheidungsgründe dar.

    Im Streitfall kann der Beklagte die durch eine verschleppte Insolvenzantragstellung bei der Schuldnerin entstandenen Schäden zu ersetzen haben, sofern hierfür eine mangelhafte Erstellung der Bilanzen (§ 242 Abs. 1 HGB) ursächlich war (unter 1).
    Weiter kommt ein Schadensersatzanspruch in Betracht, weil der Beklagte es unterlassen hat, die Schuldnerin auf die sich aus dem nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag (§268 Abs. 3 HGB) ergebenden Risiken hinzuweisen, und nicht darauf aufmerksam gemacht hat, dass dies auf einen Insolvenzgrund hindeutet (unter 2).

    1. Der beklagte Steuerberater hat nach § 280 Abs.1, § 634 Nr. 4, §675 Abs.1 BGB wenn er den Jahres-abschlüssen zu Unrecht Fortführungswerte zugrunde gelegt hat.
    Ein Steuerberater, der es übernimmt, einen handelsrechtlichen Jahresabschluss für einen Kaufmann oder eine Gesellschaft zu erstellen, schuldet einen Leistungserfolg (unter a).
    Er verletzt seine Pflichten aus dem ihm erteilten Auftrag, wenn der Jahresabschluss mangelhaft ist (unter b). Er ist zum Schadensersatz verpflichtet, wenn er diese Pflichtverletzung zu vertreten hat (§ 280 Abs.1 Satz 2 BGB; unter c).
    a) Der Steuerberater haftet im Rahmen seines Mandats nach Werkvertragsrecht für Mängel bei der Erstellung des Jahresabschlusses
    aa) Der Auftrag einer Kapitalgesellschaft, einen nach §§ 242, 264 HGB erforderlichen Jahresabschluss zu erstellen, enthält stets eine werkvertragliche Verpflichtung mit Geschäftsbesorgungscharakter (vgl. BGH, Urteil vom 1.Feb-ruar 2000 -XZR 198/97, WM 2000, 973 unter I.; vom 7.März 2002 -IIIZR 12/01, WM 2002, 2248, 2249f; Zugehör, WM 2013, 1965, 1966). Dies gilt jedenfalls, wenn der Steuerberater einen nur auf die Erstellung des Jahresabschlusses gerichteten Einzelauftrag erhält.

    bb) Der Steuerberater, der den handelsrechtlichen Jahresabschluss für eine GmbH zu erstellen hat, soll nicht nur eine bestimmte Tätigkeit entfalten, auf deren Grundlage die Gesellschaft bestimmte Ziele erreichen oder ihre Geschäftstätigkeit ausrichten möchte. Vielmehr will die Gesellschaft mit einem solchen Auftrag stets die sie treffenden handelsrechtlichen Pflichten erfüllen und möchte deshalb einen entsprechenden Jahresabschluss als Ergebnis erhalten.
    Der Inhalt eines nach §§ 242, 264 HGB erforderlichen Jahresabschlusses wird dabei weitgehend durch die gesetzlichen Anforderungen und die eröffneten Gestaltungsmöglichkeiten festgelegt.

    b) Der Beklagte hat die Jahresabschlüsse für die Schuldnerin pflichtwidrig auf der Grundlage von Fortführungswerten und damit mangelhaft erstellt.
    aa) Der Bundesgerichtshof hat bereits mit Urteil vom 18.Februar 1987 (IVaZR 232/85, GmbHR 1987, 463) ausgesprochen, dass ein Steuerberater zum Schadensersatz verpflichtet sein kann, wenn die von ihm fehlerhaft erstellte Bilanz die bestehende rechnerische Überschuldung nicht erkennen ließ und deswegen der Konkursantrag wegen Überschuldung verspätet gestellt wurde. Auch im Urteil vom 7. März 2013 (IXZR 64/12, WM 2013, 802 Rn. 22) ist der Bundesgerichtshof davon ausgegangen, dass ein Steuerberater wegen Schlechterfüllung des Auftrags zur Erstellung eines handelsrechtlichen Jahresabschlusses schadensersatzpflichtig ist. Zur Haftung führende Mängel weist ein Jahresabschluss jedoch nicht nur dann auf, wenn er die tatsächlich bestehende rechnerische Überschuldungnicht erkennen ließ. Dies kann auch dann der Fall sein, wenn der Jahresabschluss angesichts einer bestehenden Insolvenzreife der Gesellschaft zu Unrecht von Fortführungswerten ausgeht. Soweit sich aus früheren Entscheidungen des Senats (insbesondere BGH, Urteil vom 7.März 2013, aaO; vom 6.Juni 2013 -IXZR 204/12, WM 2013, 1323 Rn. 12f) etwas anderes ergeben sollte, wird daran nicht festgehalten.

    bb) Mängel weist der Jahresabschluss auf, wenn er nicht der vereinbarten oder jedenfalls nicht der für Jahresabschlüsse nach der gewöhnlichen Verwendung üblichen Beschaffenheit entspricht (§633 BGB).
    Welche Beschaffenheit vertraglich geschuldet ist, richtet sich nach dem Umfang der Pflichten, die den Steuerberater nach dem Inhalt des ihm erteilten Auftrags bei der Erstellung eines Jahresabschlusses treffen. Er hängt von dem konkreten Mandat ab (BGH, Urteil vom 4.März 1987 -IVaZR 222/85, VersR 1987, 565 unter 1.; vom 7.März 2013 -IX ZR 64/12, WM 2013, 802 Rn. 14).

    Der mit der Erstellung des Jahresabschlusses beauftragte Steuerberater schuldet grundsätzlich einen den handelsrechtlichen Vorschriften entsprechenden, die Grenzen der zulässigen Gestaltungsmöglichkeiten nicht überschreitenden und in diesem Sinne richtigen Jahresabschluss (vgl. Zugehör, WM 2013, 1965). Gemäß §252 Abs.1 Nr. 2 HGB ist in einer Handelsbilanz bei der Bewertung von der Fortführung der Unternehmenstätigkeit auszugehen, sofern dem nicht tatsächliche oder rechtliche Gegebenheiten entgegenstehen. Von diesen Grundsätzen darf gemäß § 252 Abs.2 HGB nur in begründeten Ausnahmefällen abgewichen werden. § 264 Abs.2 Satz 1 HGB bestimmt schließlich, dass der Jahresabschluss der Kapitalgesellschaft unter Beachtung der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz-und Ertragslage der Kapitalgesellschaft zu vermitteln hat. Angesichts der fachlichen Kompetenz des Steuerberaters erwartet der Mandant, dass der Steuerberater den Jahresabschluss entsprechend dem Inhalt der dem Steuerberater zur Verfügung gestellten Unterlagen und den sonst dem Steuerberater bekannten Umständen vollständig erstellt, Bewertungsfragen -im Zusammenwirken mit dem Mandanten-klärt und bei offenen Fragen über die damit zusammenhängende Problematik aufklärt und eine Entscheidung des Mandanten herbeiführt.

    Der Bilanzaufsteller bestätigt mit seiner Unterschrift unter den Jahresabschluss, dass ihm keine Umstände bekannt sind, die zu einer Abkehr von der Fortführungsvermutung zwingen (Kaiser, ZIP 2012, 2478, 2483). Soweit danach Entscheidungen des Mandanten erforderlich sind oder Gestaltungsmöglichkeiten genutzt werden sollen oder Bewertungs-probleme zu lösen sind, hat der Steuerberater hierzu die Entscheidung des Mandanten einzuholen, sofern das Mandat nicht ausdrücklich bereits entsprechende Vorgaben enthält.


    Nach diesen Maßstäben ist im Streitfall nach den bisherigen Feststel-lungen des Berufungsgerichts nicht auszuschließen, dass die vom Beklagten erstellten Bilanzen pflichtwidrig mangelhaft waren. Der Kläger hat geltend ge-macht, dass der Beklagte den von ihm erstellten Bilanzen Fortführungswerte zugrunde gelegt hat, obwohl dies nach § 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB nicht mehr zulässig gewesen sei. (1) Eine Haftung des Steuerberaters setzt zunächst voraus, dass eine Bilanzierung nach Fortführungswerten objektiv aus der Sicht ex ante ausschied.
    Dies ist der Fall, wenn feststeht, dass der Fortführung der Unternehmenstätigkeit tatsächliche oder rechtliche Gegebenheiten entgegenstehen (§ 252 Abs. 1 Nr.2 HGB).

    (a) Hierbei ist zunächst zu berücksichtigen, dass es sich um eine Prognoseentscheidung des bilanzierenden Unternehmens handelt, weil darauf abzustellen ist, ob das Unternehmen seine Tätigkeit für einen überschaubaren Zeitraum voraussichtlich fortsetzen wird (MünchKomm-Bilanzrecht/Tiedchen, §252 HGB Rn. 20; Winkeljohann/Büssow in BeckBil-Kommentar, 10.Aufl., § 252 HGB Rn. 11; KK-RLR/Claussen,§ 252 Rn. 17 f; Kaiser, ZIP 2012, 2478, 2483). Sie hat sich auf den handelsrechtlich gebotenen Zeitraum zu erstrecken, regelmäßig jedenfalls auf das auf den Abschlussstichtag folgende Geschäftsjahr (MünchKomm-Bilanzrecht/Tiedchen, aaO.

    Objektiv falsch ist eine Bilanzierung nach Fortführungswerten daher nur dann, wenn zum maßgebenden Zeitpunkt der Prognoseentscheidung feststeht, dass die Unternehmenstätigkeit bis zum Ablauf des Prognosezeitraums aus tatsächlichen oder rechtlichen Gründen eingestellt werden wird (Kaiser, aaO S. 2486; Eickes, DB 2015, 933, 934f).

    Die Fortführung der Unternehmenstätigkeit ist nach dem Gesetz der zunächst zu unterstellende Regelfall; es spricht so lange eine Vermutung dafür, wie nicht Umstände sichtbar werden, welche die Fortführung unwahrscheinlich erscheinen lassen (MünchKomm-Bilanzrecht/Tiedchen, §252 HGB Rn.18; Schulze-Osterloh, DStR 2007, 1006, 1007) oder zweifelsfreie Kenntnis von der Unmöglichkeit der Fortführung besteht (MünchKomm-HGB/Ballwieser, 3. Aufl. §252 Rn.9; Schulze-Osterloh, aaO). Art.31 Abs. 1 lit. a Richtlinie 78/660/EWG vom 25. Juli 1978 (ABl. (EG) 1978 Nr. L 222/11; jetzt Art. 6 Abs. 1 lit. a Richtli-nie 2013/34/EU vom 26. Juni 2013, ABl. L 182 vom 29. Juni 2013, S. 19), dessen Umsetzung § 252 Abs.1 Nr. 2 HGB dient, bestimmt als allgemeinen Grundsatz für die Bewertung, dass eine Fortsetzung der Unternehmenstätigkeit unterstellt wird.

    Daher ist selbst bei Zweifeln an der Überlebensfähigkeit des Unternehmens unter Fortführungsgesichtspunkten zu bilanzieren (Schulze-Osterloh, aaO).
    Die Fortführungsvermutung entfällt erst, wenn es objektiv fehlerhaft wäre, von der Aufrechterhaltung der Unternehmenstätigkeit auszugehen (Kaiser, ZIP 2012, 2478, 2482).
    Die Umstände müssen ergeben, dass die Einstellung der Unternehmenstätigkeit unvermeidbar oder beabsichtigt ist (Groß/Amen, DB 2005, 1861, 1867). Tatsächliche oder rechtliche Gegebenheiten müssen sich derart konkretisieren, dass die Unternehmenstätigkeit jedenfalls innerhalb des Prognosezeitraums eingestellt werden wird (Eickes, DB 2015,933, 934f). Eine Bewertung zu Liquidationswerten hat zu erfolgen, wenn feststeht, dass das Unternehmen nicht mehr fortgeführt werden kann (KK-RLR/Claussen,§ 252 Rn. 16).

    Besteht für eine Kapitalgesellschaft -wie der Kläger dies für die Schuldnerin bereits für Mitte des Jahres 2005 behauptet-ein Insolvenzgrund, weil sie überschuldet oder zahlungsunfähig ist, liegen regelmäßig tatsächliche Gegebenheiten im Sinne des §252 Abs.1 Nr.2 HGB vor, die der Regelvermutung einer Fortführung der Unternehmenstätigkeit entgegenstehen (Merkt in Baumbach/Hopt, HGB, 37.Aufl., §252 Rn. 7; Staub/Kleindiek, HGB, 5.Aufl. §252 Rn.13; Böcking/Gros in Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn, HGB, 3.Aufl. §252 Rn. 17; Groß/Amen, DB 2005, 1861, 1866; Lilienbecker/Link/Rabenhorst, BB 2009, 262; Groß, WPg 2010, 119, 122f; Kaiser, aaO S.2487; Baumert, ZIP 2013, 1851, 1852 Fn. 14; Böhmer/Metzing, DStR 2015, 1824, 1825).

    Jedoch bedingt ein vorliegender Insolvenzgrund nicht zwingend für den handelsrechtlichen Jahresabschluss eine Aufgabe des von § 252 Abs.1 Nr. 2 HGB bestimmten Fortführungsprinzips (Kreipl/Müller in Haufe HGB Bilanz-Kommentar, 7. Aufl., §252 Rn.46; Hater, Insolvenzrechtliche Fortbestehungsprognose und handelsrechtliche Fortführungsprognose, S.122 f; Kaiser, aaO S. 2486f; Eickes, aaO S.935).
    Hiervon geht auch § 155 InsO aus (vgl. BT-Drucks. 12/2443 S. 172). §252 Abs.1 Nr. 2 HGB knüpft vielmehr an die Unternehmenstätigkeit als solche an; es geht darum, die im Jahresabschluss ausgewiesenen Vermögensgegenstände entsprechend ihrem tatsächlichen Verwendungszweck zutreffend zu bewerten (Kaiser, aaO S. 2480).
    Liegt ein Insolvenzgrund vor, ist für die handelsrechtliche Bilanzierung entscheidend, ob eine Fortführung der Unternehmenstätigkeit auch nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu erwarten oder damit zu rechnen ist, dass das Unternehmen noch vor dem Insolvenzantrag, bereits im Eröffnungsverfahren (§ 22 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 InsO) oder alsbald nach Insolvenzeröffnung stillgelegt werden wird (§§ 157, 158 InsO).
    Abzustellen ist dabei darauf, ob die Unternehmenstätigkeit aufgrund der Insolvenzreife innerhalb des Prognosezeitraums eingestellt werden wird (Eickes, aaO).
    Daher kann trotz eines Insolvenzgrundes handelsrechtlich eine Bilanzierung nach Fortführungswerten zulässig sein, wenn ein glaubhafter Fortführungsinsolvenzplan vorliegt, eine übertragende Sanierung innerhalb des Prognosezeitraums angestrebt wird und möglich ist (Groß/Amen, DB 2005, 1861, 1866; Lilienbecker/Link/Rabenhorst, BB 2009, 262; Eickes, aaO S. 936; vgl. auch Hater, aaO S. 129ff) oder anzunehmen ist, dass die Unternehmenstätigkeit auch nach einer Eröffnung des Insolvenzverfahrens jedenfalls innerhalb des Prognosezeitraums fortgeführt werden wird (vgl. Kaiser, aaO S. 2481; Eickes, aaO; Füchsl/Weishäupl/Jaffé in Münch-Komm-InsO, 3. Aufl., § 155 Rn.6f; Kübler in Kübler/Prütting/Bork, InsO, 2013, § 155 Rn. 53, 57, 59)
    Dies erfordert eine komplexe Prognoseüber die Gesamtsituation des Unternehmens (vgl. Staub/Kleindiek, HGB, 5.Aufl., §252 Rn. 13; Kaiser, aaO S.2480 ff).

    Wird in einem solchen Fall noch mit Fortführungswerten bilanziert, bedarf dies mithin der konkretenBegründung im Einzelfall.
    Allein die Tatsache, dass das Unternehmen trotz eines bereits vorliegenden Insolvenzgrundes weiter tätig ist, rechtfertigt es nicht, bei der Bewertung von der Fortführung der Un-ternehmenstätigkeit auszugehen.
    Die aktive Teilnahmeam Wirtschaftsleben allein genügt auch bei rückblickender Betrachtung nicht zum Nachweis einer künftigen Unternehmensfortführung (vgl. Hater, aaO S. 93). Für die Prognose, ob die aufgrund eines bestehenden Insolvenzgrundes und einer etwa beste-henden Antragspflicht (§15a InsO) zu erwartende Insolvenzeröffnung zur Einstellung der Unternehmenstätigkeit führen wird, kommt es vielmehr darauf an, wie das Unternehmen zum Zeitpunkt des Eintritts des Insolvenzgrundes steht.
    Wenn das Unternehmen in der Vergangenheit keine Gewinne erwirtschaftet hat, nicht leicht auf finanzielle Mittel zurückgreifen kann und eine bilanzielle Überschuldung droht oder sogar schon eingetreten ist, besteht angesichts der daraus folgenden Insolvenzgefährdung zunächst keine ausreichende Wahr-scheinlichkeit, dass sich das Unternehmen außerhalb eines Insolvenzverfahrens fortführen lässt (Groß/Amen, DB 2005, 1861, 1866). Dann erfordert das Insolvenzrecht die Erstellung einer insolvenzrechtlichen Fortbestehensprognose, deren Ergebnis in die bilanzielle Fortführungsprognose einzubeziehen ist (Groß/Amen aaO; Groß, WPg 2010, 119, 123)

    2) Die Haftung des Steuerberaters setzt weiter voraus, dass der Steuerberater die falsche Bilanzierung nach Fortführungswerten nach Umfang und Inhalt des erteilten Auftrags auch zu verantworten hat. Ein Steuerberater haftet nicht für jeden objektiv zu Unrecht auf der Grundlage von Fortführungswerten erstellten Jahresabschluss. Er darf jedoch dem von ihm erstellten Jahresabschluss keine Fortführungswerte zugrundelegen, wenn auf der Grundlage der ihm zur Verfügung stehenden Informationen die Vermutung des § 252 Abs. 1 Nr.2 HGB entweder widerlegt erscheint oder ernsthafte Zweifel bestehen, die nicht ausgeräumt werden. Ob dies der Fall ist, hat der Tatrichter zu entscheiden.(a) Ergeben sich aus den dem Steuerberater zur Verfügung gestellten Unterlagen und den sonst dem Steuerberater bekannten Umständen keine An-haltspunkte für Zweifel an einer Fortsetzung der Unternehmenstätigkeit, handelt der Steuerberater pflichtgemäß, der entsprechend der gesetzlichen Vermutung des § 252 Abs.1 Nr.2 HGB von der Fortführung der Unternehmenstätigkeit ausgeht. Dies trifft insbesondere dann ohne weiteres zu, wenn die Gesellschaft in der Vergangenheit nachhaltige Gewinne erzielt hat, leicht auf finanzielle Mit-tel zurückgreifen kann und keine bilanzielle Überschuldung droht (implizite Fortbestehensprognose, Winkeljohann/Büssow in BeckBil-Kommentar, 10.Aufl., §252 HGB Rn. 10; Hater, aaO S. 79ff; Lilienbecker/Link/Rabenhorst, BB 2009, 262, 263; Groß, WPg 2010, 119, 129; Ehlers, NZI 2011, 161, 164; Böhmer/Metzing, DStR 2015, 1824, 1825).

    (b) Steht umgekehrt bereits auf der Grundlage der dem Steuerberater für die Erstellung des Jahresabschlusses zur Verfügung gestellten Unterlagen und der ihm bekannten Umstände fest, dass die Fortführungsvermutung des §252 Abs. 1 Nr. 2 HGB nicht mehr zutrifft, ist eine Bilanzierung nach Fortführungs-werten mangelhaft. Der Steuerberater muss bei pflichtgemäßemVerhalten aus den ihm zur Verfügung stehenden Informationen die sichere Überzeugung ge-winnen können, dass die Unternehmenstätigkeit -etwa aufgrund einer erkann-ten Insolvenzreife-nicht fortgeführt werden wird.(c) Weiter ist die -zu Unrecht Fortführungswerte zugrunde legende-Leistung des Steuerberaters aber auch dann mangelhaft, wenn aus den ihm zur Verfügung gestellten Unterlagen und den ihm bekannten Umständen tatsächli-che oder rechtliche Gegebenheiten folgen, die einer Bilanzierung nach Fortfüh-rungswerten entgegenstehen können, und der Steuerberater es unterlassen hat, vom Mandanten abklären zu lassen, ob gleichwohl noch Fortführungswerte zugrunde gelegt werden können. Entscheidend ist, ob der Steuerberater bereits aufgrund der im Rahmen der Erstellung des Jahresabschlusses erlangten oder sonst bei ihm vorhandenen Kenntnisse von Umständen weiß oder wissen müsste, die ihrer Art und ihrer Bedeutung nach geeignet sind, als tatsächliche
    oder rechtliche Gegebenheiten der Fortsetzung der Unternehmenstätigkeit entgegen zu stehen.

    (aa) Die tatsächlichen Gegebenheiten, welche die Unternehmensfortfüh-rung verhindern können, sind hauptsächlich wirtschaftliche Schwierigkeiten (Böcking/Grosin Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn, HGB, 3.Aufl. §252 Rn.17; Staub/Kleindiek, aaO, HGB, 5.Aufl., §252, Rn. 13; MünchKomm-HGB/Ballwieser, 3.Aufl., §252 Rn. 11; Kreipl/Müller in Haufe HGB Bilanz-Kommentar, 7. Aufl., §252 Rn. 41; Lilienbecker/Link/Rabenhorst, BB 2009, 262). Sobald Hinweise auf entsprechende Umstände vorliegen, ist die Fortführungsfähigkeit näher zu überprüfen (Staub/Kleindiek, aaO Rn.11; Winkeljohann/Büssow in BeckBil-Kommentar, 10. Aufl., §252 Rn. 10). Insbesondere ist auf Anzeichen zu achten, die einen Insolvenzgrund darstellen können, vor allem solche, die die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens gefährden können. Dies kommt etwa in Betracht, wenn das Unternehmen erhebliche Verluste erwirtschaftet, eine zu geringe Eigenkapitalausstattung aufweist oder in Liquiditätsschwierigkeiten gerät (MünchKomm-Bilanzrecht/Tiedchen, §252 HGB Rn.24; Lilienbecker/Link/Rabenhorst, BB 2009, 262; Böhmer/Metzing, DStR 2015, 1824, 1825).
    Ein weiteres Indiz ist die bilanzielle Überschuldung. Zwar ist diese allein kein Insolvenzgrund (BGH, Beschluss vom 8.März 2012 -IXZR 102/11, WM 2012, 665 Rn.5 mwN); jedoch kann eine bilanzielle Überschuldung ein Indiz für von §252 Abs.1 Nr.2 HGB verlangte tatsächlichen Gege-benheiten darstellen und Anlass geben, eine insolvenzrechtliche Überschul-dung zu prüfen (vgl. BGH, Urteil vom 7.März 2005 -IIZR 138/03, WM 2005, 848, 849 unter II.1.; vom 27.April 2009 -IIZR 253/07, WM 2009, 1145 Rn.9; vom 7.März 2013 -IXZR 64/12, WM 2013, 802 Rn. 16; vom 19. November 2013 -IIZR 229/11, WM 2014, 167 Rn. 17).

    Im entschiedenen Fall ag unstreitig eine bilanzielle Überschuldung vor. Außerdem wies die Schuldnerin wiederholt Verluste auf, die zu einem Verlust des Eigenkapitals und zu einem ständig steigenden, nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag (§268 Abs.3 HGB) führte.

    Handelt es sich nach den Umständen des Falles um ernsthafte Indizien, die eine Unternehmensfortführung zweifelhaft erscheinen lassen, darf ein Jah-resabschluss nur dann unbesehen auf der Grundlage der Fortführungswerte erstellt werden, wenn anhand konkreter Umstände feststeht, dass diese belastenden Indizien einer Fortführung der Unternehmenstätigkeit jedenfalls nicht entgegenstehen. Andernfalls haben die gesetzlichen Vertreter der Gesellschaft eingehende Untersuchungen durchzuführen und dabei anhand aktueller, hinreichend detaillierter und konkretisierter interner Planungsunterlagen zu analysieren, ob weiterhin von der Fortführung der Unternehmenstätigkeit auszugehen ist (explizite Fortführungsprognose, Winkeljohann/Büssow in Beck’scher Bilanz-Kommentar, 10.Aufl., §252 HGB Rn. 10; vgl. Lilienbecker/Link/Rabenhorst, BB 2009, 262, 264; Groß, WPg 2010, 119, 130). (bb) Erkennt der Steuerberater Umstände, die geeignet sind, die implizite Fortbestehensprognose des §252 Abs.1 Nr. 2 HGB in Frage zu stellen, oder hätte er bei pflichtgemäßer Aufmerksamkeit bei Erstellung des Jahresabschlusses solche Umstände erkennen müssen, muss er entweder klären,ob diese Umstände tatsächlich vorliegen oder tatsächlich nicht geeignet sind, die Fort-führungsprognose in Frage zu stellen, oder er muss dafür Sorge tragen, dass die Gesellschaft eine explizite Fortführungsprognose erstellt.
    Übergibt die Gesellschaft dem Steuerberater eine explizite Fortführungsprognose, darf der Steuerberater diese -wenn sie nicht evident untauglich ist-bei der Erstellung des Jahresabschlusses zugrunde legen. Legt der Mandant nicht von sich aus ein Ergebnis einer Prüfung der Fortführungsaussichten vor, muss dies der Steuerberater anmahnen, wenn er das Risiko einer mangelhaften -weil zu Unrecht mit Fortführungswerten aufgestellten-Bilanz ausschließen möchte. Hingegen darf er sich nicht auf bloße Aussagen der Geschäftsführer oder der Gesellschaft ohne sachlichen Gehalt verlassen.
    Er ist zwar nicht verpflichtet, die notwendigen Überprüfungen ohne gesonderten Auftrag selbst zu veranlassen oder durchzuführen. Er muss jedoch dafür Sorge tragen, dass der Mandant die gegen einen Ansatz von Fortführungswerten bestehendenBedenken ausräumt, und daher die vom Mandanten abgegebenen Erklärungen daraufhin überprüfen, ob sie stichhaltig sind und Substanz aufweisen.

    Trotz dem Steuerberater erkennbarer Zweifel an der Fortführungsvermutung ist der von ihm erstellte Jahresabschluss jedoch mangelfrei, wenn der Steuerberater die Gesellschaft auf die konkreten Umstände hingewiesen hat, deretwegen keine ausreichende Grundlage vorhanden war, um ungeprüft Fortführungswerte nach § 252 Abs.1 Nr.2 HGB zugrunde legen zu können, die Gesellschaft ihn aber ausdrücklich angewiesen hat, gleichwohl die handelsrechtliche Bilanz mit Fortführungswerten zu erstellen.

    Beruht der Mangel eines Werks auf Anweisungen oder verbindlichen Vorgaben des Bestellers, entfällt die Haftung für Mängel, sofern der Unternehmer die erforderlichen Prüfungen durchgeführt und die notwendigen Hinweise gegeben hat (Palandt/Sprau, BGB, 76.Aufl., §633 Rn.4; BGH, Urteil vom 29.September 2011 -VIIZR 87/11, NJW 2011, 3780 Rn. 14 mwN; vgl. auch §645 Abs.1 Satz1 BGB). Die -vom Steuerberater zu beweisenden- Hinweise müssen sowohl die bestehenden Zweifel an der Fortführungsprognose als auch die notwendige Überprüfung genau und im Einzelfall aufzeigen. Die vom Mandanten erteilte Anweisung hat der Steuerberater sodann in dem von ihm erstellten Entwurf eines Jahresabschlusses zu dokumentieren.

    Der vom Beklagten nach seiner Behauptung erteilte allgemeine Hinweis, dass eine bilanzielle Überschuldung vorliegt, entlastet den Steuerberater jedoch nicht. Gleiches gilt für die Hinweise auf eine generelle Prüfungspflicht in den Schreiben vom 20. April und 28. August 2007.
    Der Steuerberatermuss den Mandanten vielmehr klar und deutlich darauf hinweisen, dass er die handelsrechtliche Bilanz nur dann nach Fortführungswerten erstellen kann, wenn hier-für die gesetzlichen Voraussetzungen gegeben sind.

    Sofern die im Streitfall bestehenden Indizien ernsthafte Zweifel an der Fortführung der Unternehmenstätigkeit begründeten, hätte der Beklagte dem Mandanten zu erläutern gehabt, welche Anforderungen § 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB an die Bilanzierung nach Fortführungswerten stellt und dass im Streitfall aufgrund einer bilanziellen Überschuldung und den wiederholten Verlusten konkrete Zweifel an einer Fortführung der Unternehmenstätigkeit bestanden und deshalb eine explizite Fortführungsprognose erforderlich sei.

    Das für eine Schadensersatzhaftung bei Mängeln der Werkleistung erforderliche Verschulden wird vermutet (§ 280 Abs.1 Satz 2 BGB). Der Steuerberater muss sich mithin entlasten.

    d) Die Kausalität der fehlerhaften Bilanz für den geltend gemachten Insolvenzverschleppungsschaden, insbesondere also den unterlassenen Insolvenzantrag muss der Insolvenzverwalter beweisen (vgl. BGH, Urteil vom 6.Juni 2013 -IXZR 204/12, WM 2013, 1323 Rn. 19 ff).2. Anders als das Berufungsgericht meint, kommt zudem eine Haftung des Beklagten aus § 280 Abs.1, § 675 Abs. 1BGB wegen Verletzung einer Hinweis-und Warnpflicht in Betracht.
    Auch wenn der vom Steuerberater erstellte Jahresabschluss mangelfrei war, können den mit der Erstellung des Jahresabschlusses beauftragten Steuerberater Hinweis-und Warnpflichten treffen.

    a) Eine Hinweispflicht des Steuerberaters besteht auch außerhalb des beschränkten Mandatsgegenstandes, soweit die Gefahren dem Steuerberater bekannt oder für ihn offenkundig sind oder sich ihm bei ordnungsgemäßer Bearbeitung aufdrängen und wenn er Grund zu der Annahme hat, dass sein Aufraggeber sich der Gefahr nicht bewusst ist (BGH, Urteil vom 18. Dezember 2008 -IX ZR 12/05, WM 2009, 369 Rn. 14 mwN; Vill in G. Fischer/Vill/D. Fischer/Rinkler/Chab, Handbuch der Anwaltshaftung, 4. Aufl., § 2 Rn. 20).
    Dies gilt insbesondere,wenn die Gefahr Interessendes Auftraggebers betrifft, die mit dem beschränkten Auftragsgegenstand in engem Zusammenhang stehen (BGH, Urteil vom 9. Juli 1998 -IX ZR 324/97, WM 1998, 2246, 2248;

    aa) Diese Voraussetzungen können bei einem Steuerberater erfüllt sein, der beauftragt ist, einen Jahresabschluss zu erstellen. Trotz inhaltlich richtiger Bilanz können zugunsten des Mandanten Hinweis-und Warnpflichten bestehen, wenn der Steuerberater einen Insolvenzgrund erkennt oder für ihn ernsthafte Anhaltpunkte für einen möglichen Insolvenzgrund offenkundig sind und er annehmen muss, dass die mögliche Insolvenzreife der Mandantin nicht bewusst ist.

    Solche Anhaltspunkte können für den Steuerberater etwa dann offenkundig sein, wenn die Jahresabschlüsse der Gesellschaft in aufeinanderfolgenden Jahren wiederholt nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbeträge aufweisen. Dies kommt weiter in Betracht, wenn für den Steuerberater offenkundig ist, dass die bilanziell überschuldete Gesellschaft über keine stillen Reserven verfügt. Maßgeblich für die Frage, ob eine Hinweis-und Warnpflicht des Steuerberaters besteht, sind dabei nur die von ihm für den zu erstellenden Jahresabschluss zu prüfenden Umstände. Der Steuerberater muss im Hinblick auf § 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB ohnehin anhand der ihm zur Verfügung gestellten Informationen und der ihm sonst -etwa auch aus einem Dauermandat-bekannten Umstände prüfen, ob sich daraus ernsthafte Hinweise auf einen möglichen Insolvenzgrund ergeben, die als tatsächliche Gegebenheiten Zweifel an der Fortführungsprognose wecke.

    Insbesondere ist der Steuerberater verpflichtet, die Mandantin über rechtliche oder tatsächliche Gegebenheiten zu unterrichten, die er im Zuge der Erstellung der Jahresbilanz erkennen muss und die der Fortführung der Unternehmenstätigkeit im Sinne des § 252 Abs.1 Nr. 2 HGB entgegenstehen können.
    Da § 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB auf die Tätigkeit des Unternehmens abstellt und im Unterschied dazu §§ 17 ff InsO Handlungspflichten für den Unternehmensträger bestimmen (Kaiser, ZIP 2012, 2478, 2480 f; Eickes, Zum Grundsatz der Unternehmensfortführung in der Insolvenz, S. 116), liegt es für den Steuerberater und den Mandanten nahe, dass der Steuerberater auf solche sich beider Prüfung des § 252 Abs.1 Nr. 2 HGB ergebende offenkundige Umstände hinweist, die für den Mandanten Handlungspflichten nach den §§ 17ff InsO begründen können.

    Der Geschäftsführer einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs verpflichtet, für eine Organisation zu sorgen, die ihm die zur Wahrnehmung seiner Pflichten erforderliche Übersicht über die wirtschaftliche und finanzielle Situation der Gesellschaft jederzeit ermöglicht; verfügt er selbst nicht über ausreichende persönliche Kenntnisse, muss er sich gegebenenfalls fachkundig beraten lassen (BGH, Urteil vom 6. Juni 1994 -II ZR 292/91, BGHZ 126, 181, 199; vom 20. Februar 1995 -II ZR 9/94, ZIP 1995, 560, 561; vom 14. Mai 2007 -II ZR 48/06, ZInsO 2007, 660 Rn. 16; vom 27.März 2012 -II ZR 171/10, ZInsO 2012, 1177, Rn. 15; vom 19. Juni 2012 -II ZR 243/11, ZInsO 2012, 1536 Rn. 11
    Auf dieser Grundlage hat der Beklagte Steuerberater einer etwaigen Hinweis-und Warnpflicht nicht mit seinen im Rechtsstreit vorgelegten Schreiben genügt. Das Schreiben vom 20. April 2007 enthält keinen ausreichenden Hinweis auf einen möglichen Insolvenzgrund, weil der Beklagte darin nur abstrakt die Prüfungspflichten eines Geschäftsführers wiedergibt.

    cc) Die Hinweis-und Warnpflicht des Steuerberaters hinsichtlich der Umstände, die auf einen Insolvenzgrund hinweisen, setzt weiter voraus, dass der Steuerberater Grund zu der Annahme hat, dass sein Auftraggeber sich der Gefahr nicht bewusst ist. Daran fehlt es, wenn der Steuerberater davon ausgehen darf, dass sein Mandant sich der Umstände, die auf einen Insolvenzgrund hinweisen, bewusst ist und in der Lage ist, die tatsächliche und rechtliche Bedeutung dieser Umstände einzuschätzen. Entscheidend ist, ob der Geschäftsführer der Gesellschaft über das konkrete tatsächliche und rechtliche Wissen verfügt, um sich veranlasst zu fühlen zu überprüfen, ob er das Unternehmen in seiner bisherigen Form fortführen kann.Hierzu kann es genügen, wenn -wie der Beklagte behauptet hat-die Schuldnerin ihm gegenüber erklärt hat, das Problem der bilanziellen Überschuldung sei bekannt.

    c) Erfüllt der Steuerberater diese Hinweispflicht nicht, kommt eine Haftung für einen Insolvenzverschleppungsschaden in Betracht, wenn die Geselschaft tatsächlich früher Insolvenz angemeldet hätte, sofern ihr die mit den (wiederholten) Jahresfehlbeträgen verbundenenRisiken aufgezeigt worden wären.

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    Weitere mögliche Haftungsrisiken für Steuerberater

    1. Verstoß gegen das Rechtsdienstleistungsgesetz
    Auch Steuerberater erbringen oft Rechtsdienstleistungen gegenüber ihren Mandanten.
    Ob dies zulässig ist, ist oft fraglich. Die Folgen von Verstößen manchmal gravierend.

    Rechtsdienstleistung ist jede Tätigkeit in konkreten fremden Angelegenheiten, sobald sie eine rechtliche Prüfung des Einzelfalles erfordert, § 2 Abs 1 RDG (Rechtsdienstleistungsgesetz).
    Das RDG ist regelmäßig anwendbar, wenn jemand Hilfe bei er Durchsetzung, Sicherung, und Klarsttellung von Rechten (Rechtsverwirklichtung) leistet, Deckenbrock/Henssler RDG 4. Auflage 2015 § 2 Rdnr. 55.
    Rechtsdienstleistungen ist auch das Gestalten von Rechtsverhältnissen, hierzu zählt etwa das Anfertigen von Vertragsentwürfen, BGHZ 70, 12, 13= NJW 1978, 322; Deckenbrock/Henssler RDG 4. Auflage 2015 § 2 Rdnr. 53.
    Der Erlaubnisvorbehalt des RDG greift grundsätzlich auch bei den Verhandlungen mit dem Gegner des Rechtssuchenden, BT- Drucksache 16/3655.
    In Abgrenzung zur Rechtsberatung ist das Zusenden eines standardisierten Vertragsformulars keine Rechtsdienstleistung.
    Die Tätigkeit eines Schuldnerberaters ist erlaubnisfrei, soweit er sich auf eine wirtschaftliche Beratung beschränkt. Eine Rechtsdienstleistung liegt vor, wenn ein Schuldnerberater die Überschuldungssituation auch rechtlich bewertet und bewältigt, Deckenbrock/Henssler RDG 4. Auflage 2015 § 2 Rdnr. 61.
    Rechtsfolgen eines Verstoßes:
    § 3 RDG ist Verbotsgesetz im Sinne von § 134 BGB, Deckenbrock/Henssler RDG 4. Auflage 2015 § 3 Rdnr. 33.
    Die Nichtigkeit des Geschäftsbesorgungsvertrages erfasst regelmäßig auch die vom Geschäftsbesorgungsvertrag erteilte Abschlussvollmacht, ohne dass es darauf ankommt, ob Vollmacht und Grundgeschäft zu einem einheitlichen Rechtsgeschäft verbunden sind, BGH  NJW 2008, 3357 Rn.12; Deckenbrock/Henssler RDG 4. Auflage 2015 § 3 Rdnr. 42.

    2. Haftung des Geschäftsführers für falsche Erklärung
    Der Steuerberater macht für die GmbH eine falsche Umsatzsteuererklärung.
    Der Geschäftsführer haftet in der Folge persönlich für den Schaden. Kann er den Steuerberater in Haftung nehmen?
    Ja.
    Der Geschäftsführer kann als Dritter in den Schutzbereich eines Steuermandates bezüglich der Umsatzsteuer einbezogen sein. Der Steuerberater kann daher dem Geschäftsführer zur Erstattung des ihm entstandenen Haftungsanspruchs verpflichtet sein, BGH Urt. 13.10.2011 IX ZR 193/10.

    3. Risiken aus Grundstücksverkauf
    Der Steiuerberater weist den Mandanten nicht auf Risiken hin, die sich aus dem umsatzsteuerfreien Verkauf eines Grundstücks für den Vorsteuerabzugs ergeben.
    Haftet der Steuerberater?
    Ja
    Nach den Ausführungen des Berufungsgerichts hat der Beklagte seine Pflichten als Steuerberater dadurch verletzt, daß er die Klägerin nicht vor Abschluß der Verträge auf die Folgen für den Vorsteuerabzug hingewiesen hat, die sich aus einem umsatzsteuerfreien Verkauf des Grundstücks ergaben. Das läßt keinen Rechtsfehler erkennen und wird auch von der Revisionserwiderung nicht angegriffen, BGH, Urteil vom 30. 3. 2000 - IX ZR 53/ 99.
    Das Berufungsgericht ist zutreffend davon ausgegangen, daß der Mandant eines Steuerberaters (wie auch eines Rechtsanwalts) die Ursächlichkeit einer von diesem begangenen Pflichtverletzung für einen dadurch angeblich entstandenen Schaden zu beweisen hat (BGHZ 123, 311, 314 ff). Dabei können dem Mandanten jedoch die Beweiserleichterungen des Anscheinsbeweises (BGHZ aaO) und des § 287 ZPO (BGH, Urt. v. 7. März 1996 IX ZR 169/ 95,  BGH v. 11. Juli 1996 - IX ZR 116/ 95 zu Hilfe kommen. 
    Das Berufungsurteil ist somit aufzuheben. Das Berufungsgericht wird nunmehr unter Berücksichtigung der vorstehend erörterten Gesichtspunkte die Frage, ob die Klägerin die Entstehung eines Schadens infolge der mangelhaften Beratung durch den Beklagten bewiesen hat, unter Anwendung des Beweismaßstabs des § 287 ZPO erneut zu beantworten haben.

    4. Der Steuerberater erteilt falsche telefonische Auskünfte:
    H
    aftet der Steuerberater aus einem Auskunftsvertrag oder war es reine Gefälligkeit?
    Ein Steuerberater war mit der Fertigung der Steuererklärung beauftragt.
    Als die Mandantschaft eine vermietete Wohning weiterverkaufen wollte, fragten Sie ihn telefonisch, ob er etwas über die Immobilienentwicklung sagen könne und ob man sich wegen der bevorstehenden Gesetzesänderung mit dem Verkauf beeilen müsse.
    Der Steuerberater erteilte einen telefonischen Hinweis.
    Er teilte mit, sie könnten die Wohnung zum Einstandspreis weiterverkaufen.
    Er informierte am Telefon nicht darüber, dass innerhalbder laufenden Spekulationsfrist der Einkaufspreis um die erfolgten Abschreibungen gemindert werden und dadurch eine Veräußerungsgewinn entsteht
    Der Bundesgerichtshof entschied, dass der Steuerberater durch die telefonische Auskunft einen Auskunftsvertrag begründet Der Steuerberater hätte trotz Beschränkung des Mandats auf die Fertigung der Steuererklärungen die Mandanten auch vor außerhalb des Mandats liegenden steuerlichen Fehlentscheidungen warnen muss, wenn sie für ihn ersichtlich sind.
    Der Bundesgerichtshof machte in seiner Entscheidung auch lange Ausführungen zur Abgrenzung zwischen Gefälligkeit und Auskunftsvertrag.
    Es muss immer eine Gesamtbetrachtung gemacht werden.
    Hier ist durch die telefonische Auskunft ein Auskunftsvertrag zustande gekommen, vgl BGH, urtil. vom 18.12.2008 - IX ZR 12/05, WM 2009, 369.

    5. Der Steuerberater als Verkäufer
    Manche Steuerberater haben Steuersparprodukte, an denen sie selbst mitverdienen - mitunter sogar bei Mandanten zu Hause - empfohlen.
    Der Bundesgerichtshof hat in einem derartigen Fall folgendes entschieden:
    Ein Käufer von Anteilen an einem geschlossenen Fonds kann sich dann nicht gegenüber seiner Bank auf ein Haustürwiderrufsrecht berufen, um bei Verlusten seinen Kreditvertrag wieder loszuwerden. Denn der Hausbesuch eines Steuerberaters sein dem Geldinstitut zur zuzurechnen, wenn zwischen ihm und dem Vermittler ausnahmsweise ein besonderes Näheverhältnis bestanden habe. Der Bankensenat wies darauf hin, dass ein Verbraucher von seinem Steuerberater normalerweise nicht die Werbung für ein bestimmtes Angebot auf  Provisionsbasis, sondern ausschließlich berufsspezifische Dienstleistungen erwartet ( AZ: XI ZR 348/07).

    6. Der Steuerberater erteilt falsches Testat im Werbeprospekt
    Im Betrugsprozess gegen die insolvente Geldanlagegesellschaft Leipzig West AG hat ein Kläger ein wahrscheinlich wegweisendes Urteil erstritten. Der verantwortliche Wirtschaftsprüfer muss Schadensersatz leisten an einen Geschädigten. Dieser hatte sich bei seiner Investition auf das Testat des Prüfers im Werbeprospekt verlassen, vgl. Sächsische Zeitung vom 27. Mai 2008 S.19.

    Ein Steuerberater verstößt gegen die Pflicht zur gewissenhaften Berufsausübung, wenn er ein Vermögenstestat erstellt, ohne die von ihm testierten Vermögenswerte selbst zu prüfen, und sich später herausstellt, mündliche Erklärungen unzutreffend waren, vgl. Landgericht Freiburg.

    7. Steuerberaterhaftung bei fehlerhafter Auskunft
    Gibt der Steuerberater dem Mandanten eine fehlerhafte Auskunft über die voraussichtliche steuerliche Höchstbelastung eines Grundstücksverkaufs, so haftet er -nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs- hierfür auch dann, wenn er zugleich darauf hingewiesen hatte, noch eine Prüfung der steuerlichen Optimierung vornehmen zu müssen.

    8. Haftung des Steuerberaters bei fehlerhafter Kontrolle und fehlerhaftem Überwachen

    Hier: Verkauf von Immobilien und beim Kauf von steuerbegünstigten Immobilien in den neuen Bundesländern (Görlitz).
    Der Sachverhalt:
    Die Kläger, die zur Finanzierung Kredite in Höhe von 350.000 Euro aufnahmen, kauften drei Eigentumswohnungen in Görlitz. Die Kläger nahmen den Beklagten wegen fehlerhafter steuerlicher Beratung im Zusammenhang mit den Immobilienverkäufen auf Zahlung von Schadensersatz in Höhe von 70.000 Euro in Anspruch. Wegen des Immobilienerwerbs, der den Ruin der Kläger bewirkte, begehren sie die Feststellung, dass der Beklagte Ihnen zum Ersatz der daraus folgenden Schäden verpflichtet sei. Der beklagte Steuerberater hat seine Mandanten durch sein Versprechen umgestimmt, er werde ausschließlich kompetente und seriöse Anlagevermittler einschalten, die Investitionen persönlich überwachen und nur solche Projekte in die nähere Wahl ziehen, die sich auch "rechneten". Der Immobilienerwerb sollte den Klägern nur Steuervorteile, aber keine Kosten bringen. Die Kläger haben daraufhin den Beklagten beauftragt, den Ankauf in ihrem Interesse zu überwachen und zu kontrollieren. Der von dem Beklagten vermittelte Immobilienmakler K. habe bis zuletzt mit dem Beklagten in Kontakt gestanden und das Vorgehen mit ihm abgestimmt. Tatsächlich ist das Engagement in Görlitz nach Ansicht des Gerichts objektiv töricht gewesen. Die angekauften Eigentumswohnungen seien von vornherein überteuert gewesen. Zudem sei absehbar gewesen, dass eine dauerhafte Vermietbarkeit nicht gesichert gewesen sei. Dass sich der Erwerb für die Kläger "nicht rechne", sei von vornherein für den Beklagten erkennbar gewesen. Was als Maßnahme zur Schadensbehebung gedacht gewesen sei, führe die Kläger endgültig in den Ruin. Dieses Vorbringen war nach Ansicht des Bundesgerichtshofs erheblich. Im Rahmen seines Auftrags hat der Steuerberater, nach Ansicht des Bundesgerichtshofs, seinen Mandanten, von dessen Belehrungsbedürftigkeit er grundsätzlich auszugehen hat, umfassend zu beraten und ungefragt über alle bedeutsamen steuerlichen Einzelheiten und deren Folgen zu unterrichten.

    9. Was passiert bei Vermögensverfall des Steuerberaters?
    Bei Haftung des Steuerberaters kommt im Regelfall die Haftpflichtversicherung auf, soweit diese ausreichend abgeschlossen wurde und kein Ausschlussgrund vorliegt.
    Soweit Schadensersatzansprüche gegen den Steuerberater tituliert werden, könnte gegen Ihn vollstreckt werden. Wenn die Vollstreckung jedoch fruchlos verläuft, droht der Vermögensverfall. Gleichzeitig kann bei Vermögensverfall in der Regel die Kammerzulassung nicht aufrecht erhalten bleiben; damit verliert der Steuerberater die Möglichkeit weiterhin als Steuerberater zu arbeiten. In Fällen des drohenden Vermögensverfalls versuchen in letzter Zeit Insolvenzrecht-versierte Steuerberater die Sanierung über den Insolvenzplan. Durch diesen kann - auch wenn er rechtzeitig erstellt wird - die Kammerzulassung erhalten werden. Voraussetzung jedoch dafür ist die Redlichkeit des Steuerberaters. Bei einer vorsätzlich unerlaubten Handlung wird kein Insolvenzplan glücken. Ferner darf der Steuerberater nicht gegen andere Gesetzte oder das Steuerberatungsgesetz verstoßen haben, vgl. niedersächsische Finanzgericht AZ 6 K 277/07.

    10. Verjährung
    Weist ein neuer steuerlicher Berater den Mandanten auf eine fehlerhafte steuerliche Gestaltungsberatung des vormaligen Beraters hin und ergreift der Mandant Maßnahmen, die ihm zur Beseitigung der Folgen der fehlerhaften Beratung empfohlen worden sind, beginnt die Verjährung des durch die weitere Beratung entstandenen Kostenschadens spätestens mit der Bezahlung der Leistungen des neuen Beraters;
    mit einem späteren, aufgrund der fehlerhaften Gestaltungsberatung noch entstehenden Steuerschaden bildet der Kostenschaden eine Schadenseinheit. BGH, Urteil vom 23. April 2015 -IX ZR 176/12 -OL




    Hermann Kulzer MBA
    Fachanwalt für Insolvenzrecht
    Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht
    Wirtschaftsmediator (Uni DIU)

    www.pkl.com
    kulzer@pkl.com
    01277 Dresden
    Glashütterstraße 101a
    0351 8110233
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    Verfasser: Hermann Kulzer, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Insolvenzrecht; Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht
     
     
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