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Die beiden Stile im Vergleich: Harvard-/Mediationsstil (prinzipienbasiert)
Klingt so:
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„Lass uns das Problem sauber definieren und Interessen klären.“
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„Welche Optionen erhöhen den gemeinsamen Nutzen?“
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„Woran messen wir fair/objektiv?“
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„Ich will eine Lösung, die auch in 6 Monaten noch funktioniert.“
Stärken: deeskaliert, macht kreative Lösungen möglich, reduziert Prozessrisiko, stabilisiert Beziehungen. Schwächen: kann langsam werden, wenn eine Seite nur taktiert oder Zeit schinden will.
Druck-/Machtstil (Trump)
Klingt so:
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„Das ist das Angebot. Es gilt bis Freitag.“
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„Wenn nicht, dann passiert X.“
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„Wir gehen sonst in das Verfahren / wir ziehen durch.“
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„Ich setze den Rahmen – du wählst nur noch innerhalb davon.“
Stärken: schnell bei klarer Machtposition, kann Blockaden brechen. Schwächen: triggert Trotz/Legalismus, zerstört Vertrauen, macht Folgekonflikte wahrscheinlich – und bei komplexen Deals oft teurer/langsamer.
Was hat mehr Erfolg – je Fall? 1) Streit zwischen Gesellschaftern
Meist erfolgreicher: Harvard/Mediation (mit klaren Fristen und BATNA im Rücken) Warum:
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Es geht um Zukunft, Kontrolle, Emotionen, Gesichtsverlust – Druck eskaliert schnell.
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Es braucht oft kreative Pakete: Buy-out, Earn-out, Rollen, Non-Compete, Informationsrechte, Deadlock-Mechanismen.
Druckstil funktioniert, wenn:
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Sie eine klare Exit-Karte haben (Satzung/Deadlock-Klausel, Abfindungsmechanismus, gerichtliche Durchsetzung) und die andere Seite nur verzögert. Dann: kurze Frist + Konsequenz, aber weiterhin sachlich.
Meine Empfehlung: Bei Gesellschaftern: „Weich im Ton, hart im Prozess“ (Fristen, Term Sheet, Datenraum).
2) Immobilienkauf
Meist erfolgreicher: Hybrid, je nachdem, ob es „Marktdeal“ oder „Streitdeal“ ist.
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Normaler Kauf (beide wollen Deal): Harvard dominiert (objektive Kriterien: Gutachten, Mängelliste, Vergleichswerte; Optionen: Preis, Rückbehalt, Gewährleistung, Haftungsausschluss, Fristenplan)
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Bietersituation / Verkäufer hat Macht: Druck-/Ankerstil bringt oft mehr („Preis/Frist/kein Nachverhandeln“), solange er glaubwürdig ist.
Meine Empfehlung bei Immobiliendeal: Harvard für die Struktur, Druck nur für Tempo (Deadline), nicht für den Inhalt.
3) Scheidung
Meist erfolgreicher: Harvard/Mediation, außer bei Sicherheits-/Missbrauchslagen. Warum:
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Beziehungsebene, Unterhalt/Vermögen = hoch emotional und langfristig.
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Druckstil führt häufig zu Vergeltung, Blockade, Kostenexplosion.
Druckstil kann nötig sein, wenn:
Meine Empfehlung: Scheidung: Mediation zuerst – Druck nur als Schutz gegen Missbrauch oder Verzögerung.
Mein Verhandlungs-Schlüssel: „Harvard mit Zähnen“
Wenn Sie schnelle Erfolge wollen, ist oft die beste Kombi:
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Harvard-Führung (Interessen, Optionen, objektive Kriterien)
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Prozess-Druck (klare Agenda, Fristen, Entscheidungspunkte)
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BATNA/WATNA transparent (Konsequenzen als Fakten, nicht als Drohung
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WATNA heißt Worst Alternative to a Negotiated Agreement – also: das schlechteste realistische Szenario, wenn keine Einigung zustande kommt. Zum Vergleich: BATNA ist die beste Alternative bei Scheitern der Verhandlung – ein „Plan B“.
Warum WATNA in Krisen so nützlich ist (gerade im Insolvenz-/Sanierungskontext)
Wenn man den Worst Case nicht konkret macht, handeln Stakeholder nach Bauchgefühl („wird schon gutgehen“) – und Zeit läuft ab. WATNA zwingt alle, die Kosten des Nicht-Entscheidens zu sehen.
Ich stelle WATNA als Worst-Case-Fakt dar – ohne Drohung!
Der Unterschied liegt nicht im Inhalt, sondern in Framing, Belegbarkeit und Ton:
Drohung klingt so
- WATNA als Fakt formuliere ich so
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Das ist Harvard-Logik: objektive Kriterien + Optionen + Konsequenzen als Realität, nicht als Machtdemonstration.
Wie man WATNA „professionell“ aufbaut in 5-Schritten
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Szenario-Titel: „Worst Case bei Nichteinigung“
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Trigger (was löst es aus): z.B. Fälligkeit, Lieferstopp, Kündigung, Insolvenzantragspflichten/Prozessfolgen
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Kette der Folgen (kurz, kausal): Cash → Betrieb → Lieferanten → Personal → Verfahren/Verwertung
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Quantifizierung: Dauer, Erlösabschlag, Kosten, Quote, Rang-/Sicherheitenwirkung
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Off-Ramp: „Mit diesen 3 Maßnahmen vermeiden wir das.“
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Wichtig: WATNA ist nicht „maximal schlimm erdacht“, sondern „schlimm, aber realistisch“ (mit Annahmen, die ich offenlege).
Formulierungen, die bei Banken/Stakeholdern funktionieren
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„Ich möchte das nicht als Druckmittel, sondern als Risikobild darstellen: Wenn [X] nicht geregelt ist, ist [Y] die voraussichtliche Folge.“
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„Lassen Sie uns zwei Szenarien vergleichen: geordnete Fortführung vs. ungeordnete Verwertung – und anhand von Dauer/Erlös/Kosten entscheiden.“
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„Mein Vorschlag ist der kleinste Baustein, der den Worst Case verhindert: Standstill + Cash-Reporting + klarer Zahlungswasserfall.“
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Warum ich als Insolvenzpraktiker besonders glaubwürdig bin
Ich habe den Vorteil gegenüber klassischen Deal-Verhandlern: Ich kann WATNA prozessual erklären (Eskalationslogik in Krisen) und mit Fallwissen unterfüttern, ohne zu dramatisieren:
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Mini-Beispiel aus Sanierung
WATNA-Fakt: „Wenn der Kontokorrent Anfang Februar fällig wird und gleichzeitig Cash durch Verrechnung gebunden wird, fehlt Betriebsmittel-Liquidität. Dann kommt es sehr wahrscheinlich zu Lieferstopps und Fortführungsbruch; die Verwertung wird langsamer und erlösärmer. Deshalb brauchen wir bis [Datum] ein Standstill plus eine klare Cash-Steuerung.“
ich sage also: „so sieht die Mechanik aus – und hier ist die Lösung“.
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Hermann Kulzer MBA Fachanwalt für Insolvenzrecht Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht Wirtschaftsmediator (uni DIU)
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