insoinfo insoinfo
insoinfo
  |  Impressum  |  Kontakt  |  Fehlerinfo  |  zurück  |  
Home
Aktuelles/Beiträge
Angebote
Insolvenz- & Sanierungsrecht
Insolvenzrecht A-Z
Insolvenzplan als Chance
Immobilien
Formulare & Ausfüllhilfe
Standorte
Links
Webakte

Aktuelles
22.01.2026 Harvard vs Trump: Welcher Verhandlungsstil bringt mehr Erfolg? Mein Ansatz: Harvard mit Zähnen
Information Die beiden Stile im Vergleich: Harvard-/Mediationsstil (prinzipienbasiert)

Klingt so:

  • „Lass uns das Problem sauber definieren und Interessen klären.“

  • „Welche Optionen erhöhen den gemeinsamen Nutzen?“

  • „Woran messen wir fair/objektiv?“

  • „Ich will eine Lösung, die auch in 6 Monaten noch funktioniert.“

Stärken: deeskaliert, macht kreative Lösungen möglich, reduziert Prozessrisiko, stabilisiert Beziehungen.
Schwächen: kann langsam werden, wenn eine Seite nur taktiert oder Zeit schinden will.

Druck-/Machtstil (Trump)

Klingt so:

  • „Das ist das Angebot. Es gilt bis Freitag.“

  • „Wenn nicht, dann passiert X.“

  • „Wir gehen sonst in das Verfahren / wir ziehen durch.“

  • „Ich setze den Rahmen – du wählst nur noch innerhalb davon.“

Stärken: schnell bei klarer Machtposition, kann Blockaden brechen.
Schwächen: triggert Trotz/Legalismus, zerstört Vertrauen, macht Folgekonflikte wahrscheinlich – und bei komplexen Deals oft teurer/langsamer.

Was hat mehr Erfolg – je Fall?
1) Streit zwischen Gesellschaftern

Meist erfolgreicher: Harvard/Mediation (mit klaren Fristen und BATNA im Rücken)
Warum:

  • Es geht um Zukunft, Kontrolle, Emotionen, Gesichtsverlust – Druck eskaliert schnell.

  • Es braucht oft kreative Pakete: Buy-out, Earn-out, Rollen, Non-Compete, Informationsrechte, Deadlock-Mechanismen.

Druckstil funktioniert, wenn:

  • Sie eine klare Exit-Karte haben (Satzung/Deadlock-Klausel, Abfindungsmechanismus, gerichtliche Durchsetzung) und die andere Seite nur verzögert.
    Dann: kurze Frist + Konsequenz, aber weiterhin sachlich.

Meine Empfehlung: Bei Gesellschaftern: „Weich im Ton, hart im Prozess“ (Fristen, Term Sheet, Datenraum).


2) Immobilienkauf

Meist erfolgreicher: Hybrid, je nachdem, ob es „Marktdeal“ oder „Streitdeal“ ist.

  • Normaler Kauf (beide wollen Deal): Harvard dominiert
    (objektive Kriterien: Gutachten, Mängelliste, Vergleichswerte; Optionen: Preis, Rückbehalt, Gewährleistung, Haftungsausschluss, Fristenplan)

  • Bietersituation / Verkäufer hat Macht: Druck-/Ankerstil bringt oft mehr
    („Preis/Frist/kein Nachverhandeln“), solange er glaubwürdig ist.

Meine Empfehlung bei Immobiliendeal: Harvard für die Struktur, Druck nur für Tempo (Deadline), nicht für den Inhalt.


3) Scheidung

Meist erfolgreicher: Harvard/Mediation, außer bei Sicherheits-/Missbrauchslagen.
Warum:

  • Beziehungsebene, Unterhalt/Vermögen = hoch emotional und langfristig.

  • Druckstil führt häufig zu Vergeltung, Blockade, Kostenexplosion.

Druckstil kann nötig sein, wenn:

  • eine Seite verheimlicht, verschleppt, Vermögen verschiebt oder Regeln missachtet.
    Dann: „Transparenz-Order“/gerichtliche Schritte als BATNA – aber weiterhin lösungsorientierte Angebote machen.

Meine Empfehlung: Scheidung: Mediation zuerst – Druck nur als Schutz gegen Missbrauch oder Verzögerung.


Mein Verhandlungs-Schlüssel: „Harvard mit Zähnen“

Wenn Sie schnelle Erfolge wollen,  ist oft die beste Kombi:

  1. Harvard-Führung (Interessen, Optionen, objektive Kriterien)

  2. Prozess-Druck (klare Agenda, Fristen, Entscheidungspunkte)

  3. BATNA/WATNA transparent (Konsequenzen als Fakten, nicht als Drohung

  • WATNA heißt Worst Alternative to a Negotiated Agreement – also: das schlechteste realistische Szenario, wenn keine Einigung zustande kommt. 
    Zum Vergleich: BATNA ist die beste Alternative bei Scheitern der Verhandlung – ein  „Plan B“. 

    Warum WATNA in Krisen so nützlich ist (gerade im Insolvenz-/Sanierungskontext)

    Wenn man den Worst Case nicht konkret macht, handeln Stakeholder nach Bauchgefühl („wird schon gutgehen“) – und Zeit läuft ab. WATNA zwingt alle, die Kosten des Nicht-Entscheidens zu sehen.


    Ich stelle WATNA als Worst-Case-Fakt dar – ohne Drohung!

    Der Unterschied liegt nicht im Inhalt, sondern in Framing, Belegbarkeit und Ton:

    Drohung klingt so
    • „Wenn Sie nicht X machen, dann mache ich Y.“

  • WATNA als Fakt formuliere ich so
    • „Wenn wir keine Einigung bis [Datum] haben, dann ist aufgrund [Zahlungsfluss/Vertragslage/Prozesslogik] mit hoher Wahrscheinlichkeit Szenario Y zu erwarten. Das möchte ich vermeiden – deshalb schlage ich X vor.“

  • Das ist Harvard-Logik: objektive Kriterien + Optionen + Konsequenzen als Realität, nicht als Machtdemonstration.


    Wie man WATNA „professionell“ aufbaut in 5-Schritten
    1. Szenario-Titel: „Worst Case bei Nichteinigung“

    2. Trigger (was löst es aus): z.B. Fälligkeit, Lieferstopp, Kündigung, Insolvenzantragspflichten/Prozessfolgen

    3. Kette der Folgen (kurz, kausal): Cash → Betrieb → Lieferanten → Personal → Verfahren/Verwertung

    4. Quantifizierung: Dauer, Erlösabschlag, Kosten, Quote, Rang-/Sicherheitenwirkung

    5. Off-Ramp: „Mit diesen 3 Maßnahmen vermeiden wir das.“

  • Wichtig: WATNA ist nicht „maximal schlimm erdacht“, sondern „schlimm, aber realistisch“ (mit Annahmen, die ich offenlege).


    Formulierungen, die bei Banken/Stakeholdern funktionieren
    • „Ich möchte das nicht als Druckmittel, sondern als Risikobild darstellen: Wenn [X] nicht geregelt ist, ist [Y] die voraussichtliche Folge.“

    • „Lassen Sie uns zwei Szenarien vergleichen: geordnete Fortführung vs. ungeordnete Verwertung – und anhand von Dauer/Erlös/Kosten entscheiden.“

    • „Mein Vorschlag ist der kleinste Baustein, der den Worst Case verhindert: Standstill + Cash-Reporting + klarer Zahlungswasserfall.“


  • Warum ich als Insolvenzpraktiker besonders glaubwürdig bin

    Ich habe den Vorteil gegenüber klassischen Deal-Verhandlern: Ich  kann WATNA prozessual erklären (Eskalationslogik in Krisen) und mit Fallwissen unterfüttern, ohne zu dramatisieren:

    • „Das ist kein Bauchgefühl – so kippen Fortführungen typischerweise: erst Liquidität, dann Lieferkette, dann Vertrauen.“


  • Mini-Beispiel aus Sanierung 

    WATNA-Fakt:
    „Wenn der Kontokorrent Anfang Februar fällig wird und gleichzeitig Cash durch Verrechnung gebunden wird, fehlt Betriebsmittel-Liquidität. Dann kommt es sehr wahrscheinlich zu Lieferstopps und Fortführungsbruch; die Verwertung wird langsamer und erlösärmer. Deshalb brauchen wir bis [Datum] ein Standstill plus eine klare Cash-Steuerung.“

    ich sage also:   „so sieht die Mechanik aus – und hier ist die Lösung“.


    Suchen Sie einen Verhandlungsprofi mit Konzept?


    Hermann Kulzer MBA
    Fachanwalt für Insolvenzrecht
    Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht
    Wirtschaftsmediator (uni DIU) 

insoinfo
Verfasser: Hermann Kulzer
 
zurück
 

 © Copyright Rechtsanwalt Hermann Kulzer Glashütter Straße 101a, 01277 Dresden, Telefon: 0351 - 8 11 02 11